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Kommentar Neue EU-Ökoverordnung Bio braucht neue Regeln

Kommentar von

Jost Maurin

Gut, dass der Entwurf der EU-Kommission für eine Reform der Ökoverordnung perdu ist. Es muss dringend etwas gegen Betrug getan werden.

I st es eine gute Nachricht, dass die EU-Verhandlungen über eine Reform der Regeln für Biolebensmittel vorerst gescheitert sind? Ja – aber wir brauchen dringend einen neuen Versuch.

Der aktuelle Entwurf der Europäischen Kommission für eine neue Ökoverordnung hätte mehr Schaden als Nutzen gebracht. Das zeigt besonders der Vorschlag, dass Biobauern dafür haften sollten, wenn von konventionellen Nachbarfeldern Pestizide herüberwehen. So eine Regelung wäre nicht nur ungerecht gewesen. Sie hätte auch Landwirte abgeschreckt, auf Bio umzustellen. Die Kontrolleure hätten wegen der Fahndung nach Pestizidrückständen weniger Zeit dafür gehabt, andere Biovorschriften wie den Verzicht auf umweltschädlichen Dünger zu überprüfen. Deshalb ist es zu begrüßen, dass der Vorschlag nun tot ist.

Reformiert werden muss das Biorecht allerdings immer noch. Denn es hat gravierende Lücken. Sie erleichtern es Behörden, Kontrollstellen und Firmen, die Aufklärung von Betrugsskandalen zu verschleppen. Wenn in einem Land verdächtige Ware gefunden wird, lassen Auskünfte aus dem Herkunftsstaat mitunter so lange auf sich warten, bis die Lebensmittel verfault sind. Deswegen muss die Verordnung endlich genau vorschreiben, wer in solchen Fällen was zu tun hat – und vor allem: bis wann.

Außerdem muss die EU gegen die zunehmende Industrialisierung auch der Biotierhaltung vorgehen. Eine neue Verordnung könnte zum Beispiel verhindern, dass 30.000 Legehennen unter einem Dach gehalten werden. Schließlich sind solche Massenställe oft problematisch für die Umwelt und erschweren eine gute Betreuung der Tiere. Künftig müssen Bauern auch Zielvorgaben erhalten, wie gesund Biotiere sein müssen. Schließlich haben bei diesem Thema auch viele Ökobetriebe Defizite.

Die aktuellen Regeln erleichtern es, die Aufklärung von Betrügereien zu verschleppen

All diese Punkte fehlen im bisherigen Entwurf der Kommission. Jetzt hat sie Gelegenheit, das zu ändern.

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Jost Maurin Redakteur für Wirtschaft und Umwelt

Jahrgang 1974. Er schreibt vor allem zu Ernährungsfragen – etwa über Agrarpolitik, Gentechnik und die Lebensmittelindustrie. 2026 nominiert für den Wächterpreis. Journalistenpreis "Faire Milch" 2024 des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. 2018, 2017 und 2014 gewann er den Preis "Grüne Reportage" des Verbands Deutscher Agrarjournalisten. 2015 "Bester Zweiter" beim Deutschen Journalistenpreis. 2025 nominiert für den Deutschen Journalistenpreis, 2022 nominiert für den Deutschen Reporter:innen-Preis (Essay "Mein Krieg mit der Waffe"), 2013 für den "Langen Atem". Bevor er zur taz kam, war er Redakteur bei der Nachrichtenagentur Reuters und Volontär bei der Süddeutschen Zeitung.
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