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Kommentar Neonazis bei Facebook Widerständige Struktur

Kommentar von

Patrick Gensing

Es ist nicht falsch, die NPD-Präsenz auf Facebook mit einem Flash-Mob anzugehen. Nur darf es nicht dabei bleiben.

N eonazis und Internet - das Thema kocht gerne mal über. Da ruft die NPD ihre Mitglieder in einem geradezu lachhaften Artikel in der Parteizeitung Deutsche Stimme dazu auf, in den sozialen Netzwerken für die Neonazi-Partei zu werben - und Verfassungsschutz sowie zahlreiche Medien übernehmen diese Aufgabe in der Öffentlichkeit. Der Geheimdienst warnt vor einer Unterwanderung der Netzwerke durch die Partei. Eine Aufwertung sondergleichen.

Wie eine Unterwanderung in Netzwerken mit Zehntausenden Kleinstgruppen und Millionen Profilen überhaupt funktionieren soll, wird zudem nicht verraten. Kein Wunder, denn solche Strukturen können nicht einfach "unterwandert" werden, sie sind nicht hierarchisch organisiert, sondern leben von der Interaktion zwischen den Mitgliedern. Eben Netzwerke.

Die großen Parteien versuchen seit Jahren mit ganz anderen finanziellen Mitteln als die klamme NPD, das Internet 2.0 für ihre Wahlkämpfe zu benutzen - mit zumeist überschaubaren Erfolgen. Social Networks lassen sich nicht kurz mal instrumentalisieren.

Was allerdings tatsächlich im Netz 2.0 vor sich geht - und das hat nichts mit dem besagten Artikel in der NPD-Zeitung zu tun -, das ist eine rechte Wortergreifungsstrategie. In den Kommentarspalten verschiedener Zeitungen tauchen immer wieder die gleichen Kommentare auf, in denen von angeblichen Denkverboten die Rede ist oder rechtsextreme und rassistische Gewalt verharmlost wird.

Hier ist Gegenrede gefragt. Denn Rechtsradikale und Neonazis sind auch in der "virtuellen Welt" aktiv; diese ist ein Teil der realen Welt. Eine Trennung ist sinnlos. Genauso sinnlos ist es, ausschließlich im Internet gegen Neonazis vorzugehen. Falsch ist es dennoch nicht, die NPD-Präsenz auf Facebook mit einem Flash-Mob anzugehen. Nur darf es nicht dabei bleiben.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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3 Kommentare

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  • WS
    Walter Schmidt

    Nichts als ritueller Antifaschismus, der nichts kostet!

  • A
    alcibiades

    Sieht man ja auch auf taz.de. Nur mal probeweise in einem Artikel das Wort "Muslim" verwenden und los geht's - die kommentarsplten füllen sich von selber.

    Wobei ich mich schon wundere, was bei der taz so alles freigeschaltet wird.

  • V
    vic

    "In den Kommentarspalten verschiedener Zeitungen tauchen immer wieder die gleichen Kommentare auf, in denen von angeblichen Denkverboten die Rede ist oder rechtsextreme und rassistische Gewalt verharmlost wird."

    Stimmt. Hier in der taz zum Beispiel.