piwik no script img

Kommentar NPD in Bremen Misserfolg wird teuer

Andreas Speit

Kommentar von

Andreas Speit

Die Führung der rechtsextremen sorgt sich, dass ausbleibender Erfolg bei Wahlen das Engagement bei der Gefolgschaft schwächt.

D ie rechtlichen Hürden sind genommen: Mit ihrem Spitzenkandidaten Matthias Faust will die NPD am 22. Mai in die Bremische Bürgerschaft einziehen. Es wäre ein Erfolg, den sie dringend braucht: Sollte nach der Pleite in Sachsen-Anhalt ein weiterer Landtag NPD-frei bleiben, würde das die Mitglieder und Sympathisanten umso mehr entmutigen.

Und da wäre das verlorene Geld noch nicht mal das Schlimmste für die rechtsextreme Partei, immer wieder mal seit der Gründung 1964 in Hannover waren die Kassen leer. Nein, die Parteiführung sorgt sich längst auch darum, dass ausbleibender Erfolg bei Wahlen das Engagement bei der Gefolgschaft anfressen könnte.

Die NPD ist nicht bloß eine Wahl- und Gesinnungspartei, sie ist auch eine bewegungsorientierte. Das hat zur Folge, dass Mitglieder und Freunde zwar hundertfünfzigprozentig engagiert sind - aber nur so lange, wie sie auch politische Erfolge und emotionale Höhepunkte erleben: Sie brauchen Bewegendes, um in Bewegung zu bleiben.

Zwar kommen der NPD in Bremen die besonderen Wahlregelungen - Stichwort: Bremerhaven - entgegen, ebenso der Umstand, dass die DVU hier schon Erfolge feiern konnte und als Konkurrentin wegfällt. Im Wahlkampf stützen denn auch führende Kader den laschen Landesverband. Um so mehr: Verfehlt die Partei den Einzug ins Parlament, verliert sie nach der Wahl Anhänger.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andreas Speit

Andreas Speit Autor

Rechtsextremismusexperte, Jahrgang 1966. In der taz-Nord schreibt er seit 2005 die Kolumne „Der Rechte Rand“. Regelmäßig hält er Vorträge bei NGOs und staatlichen Trägern. Für die Veröffentlichungen wurde er 2007 Lokaljournalist des Jahres und erhielt den Preis des Medium Magazin, 2008 Mitpreisträger des "Grimme Online Award 2008" für das Zeit-Online-Portal "Störungsmelder" und 2012 Journalisten-Sonderpreis "TON ANGEBEN. Rechtsextremismus im Spiegel der Medien" des Deutschen Journalistenverbandes und des Ministeriums für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt. Letzte Bücher: herausgegeben: Das Netzwerk der Identitären - Ideologie und Aktionen der Neuen Rechten (2018), Die Entkultivierung des Bürgertum (2019), mit Andrea Röpke: Völkische Landnahme -Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos (2019) mit Jena-Philipp Baeck herausgegeben: Rechte EgoShooter - Von der virtuellen Hetzte zum Livestream-Attentat (2020), Verqueres Denken - Gefährliche Weltbilder in alternativen Milieus (2021).
Mehr zum Thema

0 Kommentare