Kommentar Mohammed-Beleidigung : Kulturkampf, abgesagt
Das Bemerkenswerteste an der Aufregung über die Mohammed-Schmähungen der FPÖ ist die Zurückhaltung der österreichischen Muslime.
S usanne Winter, Spitzenkandidatin der rechten "Verhetzungspartei FPÖ" (Der Standard) für die Gemeinderatswahlen in Graz, ist über die Muslime hergezogen. Deren Prophet Mohammed sei nach heutigen Maßstäben ein "Kinderschänder" (wegen dessen Lieblingsfrau Aischa, die er noch im Kindesalter geheiratet hat). Außerdem habe er den Koran während "epileptischer Anfälle" geschrieben. Das reichte - wie zu erwarten war - für fette Schlagzeilen. Aber reicht es auch für eingeschlagene Fensterscheiben und brennende Botschaften wie beim Karikaturenstreit?
Eher nicht. Denn das Bemerkenswerteste an der gegenwärtigen Aufregung ist das Verhalten der österreichischen Muslime. Omar al-Rawi, Integrationsbeauftragter der Islamischen Gemeinschaft, sagte in einer spontanen Reaktion, die Wähler würden dies zu würdigen wissen. Imam Mouhanad Khorchide erklärte, man dürfe der FPÖ "nicht den Gefallen machen, sich aufzuregen". Carla Amina Baghajati, Sprecherin der Islamischen Gemeinschaft, forderte eine "vernünftige, konstruktive Diskussion", und Tarafa Baghajati, der umtriebige Vormann der Initiative muslimischer ÖsterreicherInnen, kündigte gar eine "Charmeoffensive" an - offene Moscheen und ganz viel Dialog.
Auch das offizielle Österreich ließ seine Muslime nicht allein. "Absolut inakzeptabel" seien Winters Sprüche, so Bundespräsident Heinz Fischer. Kanzler Alfred Gusenbauer sagte beim Festakt zum einjährigen Regierungsjubiläum: "Niemand hat das Recht, andere zu beleidigen." An dieser Stelle erhielt er den mit Abstand längsten Applaus. Die evangelische Kirche zeigte Susanne Winter wegen Volksverhetzung an.
Diesmal wird der clash of civilizations also mit vertauschten Rollen gespielt. Xenophobe fundamentalistische Wirrköpfe auf der einen Seite, die Muslime dagegen auf der Seite der Vernunft und des friedlichen Dialogs. Und nahezu das gesamte offizielle Österreich erklärt Frau Winter zum politischen Paria. Wunderbar, eigentlich. Liefe es immer so, der Kampf der Kulturen würde glatt ausfallen.
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