Kommentar Migranten im Ehrenamt: Weg mit dem Tendenz-Betrieb
Es nicht zu rechtfertigen, dass Migranten zwar kostenlos der guten Sache dienen dürfen, bei vielen bezahlten Diakonie-Jobs aber ohne Chance wären.
W enn im Sozialbereich überall am Personal gespart wird, ist es nur logisch, dass die diakonischen Träger verstärkt Ehrenamtliche rekrutieren, um den Standard ihrer Leistungen zu halten. Aber immer weniger Menschen fühlen sich den Kirchen so verbunden, dass sie allein daraus eine Verpflichtung zum Engagement ableiten. Und auch auf dem Ehrenamts-Markt macht sich der demografische Wandel bemerkbar.
Schon seit geraumer Zeit baggern soziale Träger fitte Alte an - das Angebot: Sinnstiftung gegen unbezahlte Arbeit. Migranten sind einfach die nächste Reserve, auf deren Erschließung zu verzichten sich niemand leisten kann. So weit, so legitim.
Allerdings kommen die kirchlichen Träger in Argumentationsnöte, da die große Mehrheit der Einwanderer einen muslimischen Hintergrund hat. Wie ist zu erklären, dass sie zwar kostenlos der guten Sache dienen dürfen, bei einem Großteil der bezahlten Diakonie-Jobs aber ohne Chance wären, weil der Tendenz-Betrieb hochgehalten wird? Gerade im Behindertenbereich, wo zunehmend ehrenamtlich passiert, was früher Festangestellte gemacht haben, ist das nicht zu rechtfertigen.
Wenn die Diakonie Migranten will, muss sie sie ganz wollen. Der konfessionelle Tendenz-Betrieb muss weg. Ein Wertekonsens muss stattdessen über die Eignung für den Dienst am Menschen entscheiden.
Warum sollten Migranten kostenlos dienen, wenn sie keine echten Jobs kriegen?
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 60 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert