piwik no script img

Kommentar Mehr Geld für LehreBessere Lehre, bessere Universitäten

Anna Lehmann

Kommentar von

Anna Lehmann

Der Wissenschaftsrat fordert zu Recht ein neues Selbstverständnis. Der Lehre an Universitäten gebührt der gleiche Rang wie die Forschung.

Wer Seminararbeiten innerhalb eines Monats zurückgibt oder interessante Diskussionen im Seminar anzettelt, kann sich der Loyalität der Studierenden gewiss sein. Diese sind es nicht gewohnt, dass sich die Magnifizenzen und Eminenzen für sie interessieren, und erweisen sich für jedes Quäntchen Aufmerksamkeit dankbar. Die Anregungen des Wissenschaftsrates, der Lehre den gleichen Rang wie der Forschung einzuräumen, sind daher ein immenser Fortschritt. Der geforderte "Mentalitätswandel" in den Köpfen der Lehrenden muss aber mit Änderungen im System verbunden sein.

Was eigentlich selbstverständlich sein sollte - die Einheit von Lehre und Forschung -, ist in der Realität ein Verhältnis von Haupt- und Nebensächlichkeit. Es regiert die Forschung. Wegen guter Lehre hat noch niemand eine Professur erhalten. Am wichtigsten für eine Berufung sind gute Beziehungen, die Leistungen des Kandidaten in der Forschung und wie viel Veröffentlichungen daraus resultieren. Die sogenannte Probevorlesung hingegen ist Beiwerk.

Wenn es jemand dann bis zum Professor geschafft hat, interessiert sich außer den Studierenden niemand mehr für dessen Vorlesungen. Für das Selbstverständnis eines Fachbereichs spielt die Lehre keine Rolle, da zählen wiederum die Forschungsergebnisse und wie viel Geld - Drittmittel - für Projekte eingeworben werden können.

Wenn aber Lehre stiefmütterlich behandelt wird, wie das in Deutschland bislang Usus war, dann rächt sich das. Nachwuchswissenschaftler entstehen nicht nur im Selbstversuch, sie müssen auch angeleitet werden. Mit einer Generation von Autodidakten wird es die Bildungsrepublik Deutschland nie, wie von der Politik gewünscht, unter die Top Ten der Wissensnationen schaffen.

Gute Lehre muss sich lohnen: für die Hochschule und die Lehrenden. Wieso keine Drittmittel für gute Lehre vergeben? Oder die Berufung auch an didaktische Fähigkeiten knüpfen? Nicht nur die Lehrenden, auch die Unis müssen es spüren - Exzellenz hat zwei Seiten: Forschung und Lehre.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Anna Lehmann

Anna Lehmann Leiterin Parlamentsbüro

Schwerpunkte SPD und Kanzleramt sowie Innenpolitik und Bildung. Leitete bis Februar 2022 gemeinschaftlich das Inlandsressort der taz und kümmerte sich um die Linkspartei. "Zur Elite bitte hier entlang: Kaderschmieden und Eliteschulen von heute" erschien 2016.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • CW
    Christian Walther

    Sven Chojnacki hat bereits vor vier Jahren den vom OSI-Club ausgelobten "LorBär" für herausragende Lehre erhalten - damals noch als

    Lehrbeauftragter am Otto-Suhr-Institut der FU. Später wurde er dort zum Junior-Prof. berufen, inzwischen hat er einen Ruf nach außerhalb in

    Händen. Ob der LorBär ihm auf diesem Weg geholfen hat, ist schwer zu sagen. Geschadet hat es jedenfalls nicht, dass durch eine solche

    Basisinitiative das Thema Lehrqualität immer wieder ins Bewusstsein gerückt wird. Der LorBär wird alle zwei Jahre vom OSI-Club, dem

    Alumni-Verein am OSI, vergeben. 2006 wurde Prof. Siegfried Mielke geehrt, unter anderem für eine Reihe außergewöhnlicher Lehrveranstaltungen, in

    denen die Studierenden unter Anleitung Mielkes die Schicksale von Gewerkschaftern in den KZs Oranienburg und Sachsenhausen erforschten, aufschrieben und in einer Buchreihe publizierten. Am 18. Juli wird der LorBär zum dritten Mal überreicht.

     

    Christian Walther

    (www.osi-club.de)