Kommentar Lobbyismus an der Uni: Lernziel erreicht
Erstsemestern eine Broschüre der Privatwirtschaft als Hauptquelle in die Hand zu drücken, ist grenzwertig. Es besteht die Gefahr, dass sie mit der kritischen Einordnung überfordert sind.
D ie erste Woche war für die Studienanfänger an der Lüneburger Leuphana Uni bestimmt lehrreich. Sie erfahren auf Anhieb, dass das, was Lehrende ihnen vorsetzen, hinterfragt werden muss. So gesehen hat die Uni-Leitung einen gelungenen Start organisiert.
Aber ohne das kritische Engagement des Asta wäre die Woche anders verlaufen. Erstsemestern eine Broschüre der Privatwirtschaft als Hauptquelle in die Hand zu drücken, ist grenzwertig. Es besteht die Gefahr, dass sie mit der kritischen Einordnung überfordert sind, das kritisieren die Experten von "Lobby Control" zurecht.
Es spricht erstmal nichts dagegen, auch Experten aus der Wirtschaft an die Unis zu holen. Schlösse man sie kategorisch aus, ginge wertvoller Praxisbezug verloren. Aber es müssen die Rollen klar abgegrenzt sein und auch andere Interessenvertreter in gleicher Zahl einbezogen sein. Auch sollten sie nicht schon zu Anfang des Studiums den Diskurs bestimmen.
Die Wirtschaft dominiert die Hochschulen ohnehin schon in vielfältiger Weise. Beispielsweise gibt die arbeitgeberfinanzierte "Initiative neue Soziale Markwirtschaft" in ihrem jährlichen "Bildungsmonitor" ganz unverblümt wirtschaftsnahe Ziele für die Hochschulen vor. Von Politik und Öffentlichkeit werden diese dann unreflektiert als allgemeingültig akzeptiert. Dabei sind Unis für die ganze Gesellschaft da. Wirtschaft ist nicht böse, aber nur ein Teil davon.
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