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Kommentar Krippen Wenn der Nachwuchs fehlt

Kommentar von

Cosima Schmitt

Die Krippen-Offensive der Bundesregierung könnte am fehlenden Kitapersonal scheitern. Wer Pädagogen in die Krippen locken will, muss sie auch gut bezahlen.

S chon Krabbelkinder werden von Toppädagogen kundig umsorgt und geistig gefördert, ihre Eltern können derweil guten Gewissens an ihrer Karriere arbeiten - so schön soll es bald zugehen in deutschen Kinderkrippen, wenn es nach dem Willen der Familienministerin geht. Doch die aktuelle Debatte um den Kitaausbau lässt einen zentralen Punkt fast unbeachtet: um die vielen Kinder zu betreuen, braucht es ja auch mehr Fachkräfte.

Der Beruf der Erzieherin wird lausig bezahlt, selbst im Vergleich zu anderen gängigen Frauenbranchen. Dennoch gibt es kaum einen Berufszweig, der so mit Erwartungen überhäuft wird wie dieser. Die Krippen sollen den Ruch von Verwahranstalten verlieren, indem frühpädagogisch geschulte Erzieherinnen die Kinder in kleinen Gruppen betreuen - nur dann werden sie auch in konservativsten Kreisen Akzeptanz finden. Und auch Männer sollten dort als Erzieher am Werke sein - damit auch die Kinder von alleinerziehenden Müttern die Gelegenheit bekommen, ein männliches Rollenvorbild zu erleben.

Doch die Realität sieht anders aus: Schon jetzt sucht Frankfurt am Main 1.000 neue Erzieherinnen. Und viele Ostländer rätseln, was sie tun sollen, wenn dort bald ganze Belegschaften in den Ruhestand treten. Dass sie mal eben zehntausende von Topkräften anwerben können, ist eine Illusion.

Dabei gibt es durchaus ungenutzte Ressourcen: Schon jetzt besitzen immerhin 40 Prozent der Erzieherinnen, das zeigt eine neue Studie, Abitur oder Fachabitur. Zumindest die Jüngeren unter ihnen sagen, sie würden sich auch für ein Studium entscheiden, wenn sich dadurch neue Aufstiegschancen böten. Das ist der Pool, aus dem sich künftige Toperzieherinnen gewinnen lassen.

Wenn die Kitaoffensive also wirklich mehr Chancengleichheit bringen soll, ist rasches Handeln gefragt. Die schöne neue Kitawelt entsteht nicht allein durch neue Krippen. Noch fehlt an den Hochschulen ein umfassendes Bildungsangebot. Und wer die besten Pädagogen eines Jahrgangs in die Kinderkrippen locken will, der muss sie auch angemessen bezahlen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

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