Kommentar Kreative Milieus : Schöne neue Stadt
Die Botschaft verheißt günstige Ateliers und erschwingliche Wohnungen, möglichst im Grünen und am Wasser, glückliche Kinder und Eltern, fröhliche Maler und Web-Designer - und zufriedene Investoren und Banker obendrein.
K raftvoll ist das Wortgebimmel, und doch übertönt es in diesem Fall keine inhaltliche Leere. Die jetzt vorgestellte Studie über kreative Milieus unterfüttert die Lehre, die Hamburg aus den Debatten um das Leben und Arbeiten in städtischen Räumen zu ziehen gedenkt: Die Stadt ist für die Menschen da, nicht umgekehrt. Das klingt fast zu schön, um wahr sein zu können.
Die monatelange Besetzung des Gängeviertels durch Künstler oder die Debatte um ein innerstädtisches Ikea-Möbelhaus haben für eine unerwartete Sensibilisierung in der öffentlichen Wahrnehmung gesorgt. Weit über Hamburg hinaus und gerade auch bei jenen, denen jahrelang Abreißen vor Weiterentwicklung ging.
Die neue Botschaft lautet, dass ziviler Ungehorsam und Kreativität Geschwister sind. Sie postuliert, dass Talente gefördert werden sollen, nicht geopfert, sie beharrt darauf, dass Identität unverkäuflich ist. Sie verheißt günstige Ateliers und erschwingliche Wohnungen, möglichst im Grünen und am Wasser, glückliche Kinder und Eltern, fröhliche Maler und Web-Designer - und zufriedene Investoren und Banker obendrein.
Plötzlich wollen alle eine Stadtentwicklung mit menschlichem Antlitz. Diese schöne neue Welt könnte einen schwindlig machen. Vollmundig ist das alles ja. Es fehlt aber noch der Nachweis der Nachhaltigkeit.
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