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Kommentar JP Morgan Falsche Wette abgeschlossen

Ulrike Herrmann

Kommentar von

Ulrike Herrmann

Man könnte sich freuen über den Milliardenverlust von JP Morgan, doch deren Verlust ist der Gewinn von anderen Spekulanten. Die Probleme der Branche reichen tiefer.

D a kommt Schadenfreude auf: Die US-Investmentbank JP Morgan hat inzwischen Spekulationsverluste von 5,8 Milliarden Dollar eingefahren. Denn die Bank hat auf bestimmte Kreditderivate gewettet und sich dabei dämlich angestellt. Sie hat in einem engen Markt zu große Positionen aufgebaut.

Auf den ersten Blick könnte es so wirken, als ob dieser Milliardenflop nicht mehr als ein amüsantes Einzelereignis wäre, das nichts über die strukturellen Trends der Branche verraten kann. Denn letztlich handelt es sich ja um ein Nullsummenspiel: Die Verluste von JP Morgan sind der Gewinn von anderen Spekulanten.

Doch die Probleme reichen tiefer. Am Fall JP Morgan war von Anfang an interessant, dass diesmal nicht ein kleiner, ferner Händler eigenmächtig mit dem Geld seiner Bank spekuliert hatte – sondern dass die gefloppten Deals von der Spitze abgesegnet worden waren. Offenbar sahen die Chefs keine anderen Optionen, wie ihre Bank hätte Gewinn machen können. Also haben sie das Risiko verdrängt und toleriert.

ULRIKE HERRMANN

ist wirtschaftspolitische Korrespondentin der taz.

Nicht nur JP Morgan ist ratlos, wie man Geld verdienen soll. Alle Investmentbanken stecken in einer strukturellen Krise. Die Unternehmensberatung Roland Berger prognostiziert, dass von den weltweit 500.000 Investmentbankern 75.000 in den nächsten fünf Jahren ihre Stelle verlieren.

Drei Jahrzehnte lang haben die Investmentbanker bestens davon gelebt, dass sie weltweit eine gigantische Kreditblase aufgepumpt haben. Doch jetzt ist diese Blase zum Zerreißen gespannt und lässt sich nicht weiter ausdehnen, wie die diversen Finanzkrisen zeigen. Stagnation jedoch ist unschön für Investmentbanker – weil oft nur noch Gewinn anfällt, wenn ein anderer Verlust einfährt. Diesmal hat es JP Morgan getroffen.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Ulrike Herrmann

Ulrike Herrmann Wirtschaftsredakteurin

Ulrike ist seit 2000 bei der taz. Nebenher schreibt sie Bücher. Das neueste heißt "Geld als Waffe. Wie die Wirtschaft über Krieg und Frieden entscheidet" und erscheint am 12. März 2026.
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