piwik no script img

Kommentar Hochschul-Kürzungen Dieser Krach muss sein

Kaija Kutter

Kommentar von

Kaija Kutter

Anstatt mit Kürzungen die Substanz der Hochschulen zu bedrohen, sollte man die Einnahmen verbessern oder sich nicht so sklavisch an die Schuldenbremse halten.

D ie Hochschul-Präsidenten machen jetzt zu Recht eine Rechnung auf, in der sie die Kürzungen der vergangenen zwei Jahre addieren. Der Scholz-Senat tut so, als habe er die noch von Schwarz-Grün beschlossenen Kürzungen nicht zu verantworten. Aber das ist falsch.

Wenn geplant war, die Kürzungen zu übernehmen, muss man der SPD ankreiden, dass sie klare Worte im Wahlkampf vermieden hat. Andererseits brüstete sich die Partei mit Mehrausgaben, die sie unter Schwarz-Grün erwirkt hat, etwa die im Zuge des Schulfriedens im März 2010 beschlossenen noch kleineren Schulklassen.

Nun, nach der Wahl, gibt es auch für die Kita-Eltern Geld. Die Studiengebühren werden abgeschafft, die Kultur bekommt etwas mehr und für Sicherheit beim HVV und intakte Straßen wird gesorgt. Alles wichtig. Aber man kann dafür nicht einfach Kürzungen beschließen, die die Substanz der Hochschulen bedrohen. Eher sollte man die Einnahmen verbessern oder sich nicht ganz so sklavisch an die Schuldenbremse halten.

Die Hochschulen waren in den letzten Jahren wohl einfach zu ruhig. Aber ein Dieter Lenzen, durch Erfahrungen in Berlin gestählt, versteht offenbar zu kämpfen. Und auch die übrigen Leitungsfiguren sind in Rage. Gespräche sind das Mindeste, was der Bürgermeister nun suchen muss.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Kaija Kutter

Kaija Kutter Redakteurin taz-Hamburg

Jahrgang 1964, seit 1992 Redakteurin der taz am Standort Hamburg für Bildung und Soziales. Schwerpunkte Schulpolitik, Jugendhilfe, Familienpolitik und Alltagsthemen.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • H4
    Holger 40

    „Aber ein Dieter Lenzen, durch Erfahrungen in Berlin gestählt, versteht offenbar zu kämpfen“. Wie wahr, wie wahr! Immerhin war er im zarten Alter von 28 Jahren jüngster Hochschullehrer in Deutschland, und das im Fach Erziehungswissenschaft. Mithin dürfte er vermutlich jünger gewesen sein als die Masse seiner Studenten. Nicht zuletzt deshalb gab‘s im Jahr 2009 in „Die Zeit“ eine Eloge unter dem Titel „Die Uni bin ich!“ zu lesen: http://www.zeit.de/2009/39/Portraet-Lenzen. Der darin erwähnte „Dieter Lenzen Fanclub – Fanclub of Excellence“ ist unter http://www.dieter-lenzen.de/ zu genießen.

    N.B. „Die Freie Universität Berlin vor dem Börsengang?“ unter diesem Titel ist die Abschiedsvorlesung meines Freundes seit gemeinsam verbrachten Schulzeiten, gehalten am 11. Juli 2007(!) im Otto Suhr Institut der Freien Universität Berlin, veröffentlicht worden.