Kommentar Hamburgs Grüne: Kein Etikettenschwindel
Hamburgs Grüne müssen sich nach dem schwarz-grünen Irrweg programmatisch neu erfinden. Das Streichen des Kürzels GAL wäre nur Augenwischerei.
P olitik kann ja so herrlich simpel sein. Wenn nicht das Programm oder die Performance verantwortlich sein dürfen für miese Wahlergebnisse, muss es eben das Etikett sein. Denn ein Schuldiger wird ja gebraucht, um zu erklären, warum Hamburgs Grüne nach dem Bündnis mit der CDU hart in der Opposition landeten. Deshalb kommt manchen Grünen nun beim Kürzel GAL die Galle hoch. Es sei ihnen gegönnt.
Der Antrag auf Namensänderung, der in zwei Wochen auf dem GAL-Parteitag abgestimmt werden soll, bedeutet nichts anderes als den Verzicht auf politische Analyse und Selbstreflexion. Er ist eine programmatische Bankrotterklärung.
Denn Politik ist eben nicht simpel, sofern sie nachhaltig sein soll. Das sollte und das muss vor allem jene Partei beherzigen, die diesen Begriff in die politische Gestaltung einführte. Grüne WählerInnen sind vergleichsweise anspruchsvoll. Sie wollen überzeugt werden, nicht überredet – und schon gar nicht veräppelt.
Deshalb muss die GAL sich nach dem schwarz-grünen Irrweg, den viele Sympathisanten nicht mitgingen, tatsächlich neu bestimmen. Das ist mühsam, das darf nicht zur Nabelschau verkommen. Deshalb muss es im Interesse der GAL sein, ihr grünes Profil zügig zu sanieren.
Etikettenschwindel aber hilft da gar nichts.
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