Kommentar Gemeinwohl-Ökonomie: Gut sein sells
Die GWÖ-Zertifizierung dient vor allem der Imagepflege. Aber auch ein Image hat mitunter verbindlichen Charakter.
K lar, der Begriff Gemeinwohl klingt gut. Aber ein Blick in seine Geschichte erinnert seine Ambivalenz: Die Mover und Shaker des französischen Gemeinwohlkomitees hießen Danton, Robespierre und St. Just. Sie alle haben ihren Kopf darüber verloren.
Solche Gefahren birgt die Idee der Gemeinwohl-Ökonomie kaum. Allerdings ist sie anfällig dafür, als bloßes Marketinginstrument genutzt zu werden: So bleibt unklar, inwiefern die Fonds etwa der Sparda-Bank in deren Gemeinwohl-Evaluierung einbezogen, und ob bei produzierenden Firmen die Rohstoffe klimabilanziert wurden, und wer nun genau die „gegenseitige Wertschätzung“ und die „Gerechtigkeit“ des Unternehmens in Zahlenverhältnissen ausdrücken durfte. Dabei differieren die, je nachdem, ob alle MitarbeiterInnen, der Mittelbau oder – wie bei GWÖ-Zertifizierungen auch vorkommt – nur die Führung eines Unternehmens befragt wird.
Gut sein sells – die GWÖ-Zertifizierung dient vor allem der Imagepflege. Allerdings machen sich Firmen, die sich ihr unterwerfen, angreifbar: Sie beweisen damit, dass sie mit einer Kundschaft rechnen, die Wert auf diese soziale Komponente legt – und die empfindlich auf ethisch unangemessenes Gebaren reagieren würde: Auch ein Image hat mitunter einen verbindlichen Charakter.
Mit reinem Gewissen wissen
Auf taz.de finden Sie eine unabhängige, progressive Stimme. Frei zugänglich, ermöglicht von unserer Community. Alle Informationen auf unserer Webseite sind kostenlos verfügbar. Wer es sich aber leisten kann, darf – ganz im Zeichen des heutigen "Tags des guten Gewissens" – einen kleinen Beitrag leisten. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass guter, kritischer Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – und mit Ihrer Beteiligung können wir es schaffen. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
Starten Sie jetzt eine spannende Diskussion!