Kommentar Geburtenrückgang: Von der Leyen entzaubert

Der Rückgang der Geburtenrate in Deutschland ist eine Blamage für die Familienministerin: Es reicht nicht, mit guten Beispiel voranzugehen. Sie muss politisch nachlegen.

Ursula von der Leyen ist eine Überfrau mit perfektem Image: Die CDU-Familienministerin inszeniert sich für die Medien stets adrett gekleidet, makellos frisiert und gut gelaunt. Während sie sich oft und gerne vor die Kameras stellt und vollmundig ihre eigenen Erfolge lobt, schafft sie es gleichzeitig, sich um ihre vielen eigenen Kinder zu kümmern. Das ideale Vorbild für deutsche Frauen und Mädchen: Seht her, ich kann Beruf und Großfamilie vereinbaren!

Dass jetzt vom Statistischen Bundesamt bestätigt wurde, dass die Geburtenzahlen 2008 nicht gestiegen, sondern eingebrochen sind, ist eine eklatante Blamage für die Ministerin. Hatte sie doch auf Pressekonferenzen immer wieder auf ihre eigenen Erfolge hingewiesen und betont, dass die Menschen dank der Einführung des Elterngeldes mehr Babys bekommen - ein Geburtenhoch, Grund für Zuversicht! Eigenlob stinkt, aber es riecht schier unerträglich, wenn es voreilig kommt und auf falschen Fakten beruht. Weil dieser Umgang von Ursula von der Leyen mit den Statistiken unverantwortlich und peinlich ist, bröckelt nun ihr Image.

Vielleicht ist das aber auch gut so. Denn allein das glänzende Vorbild einer Ministerin, die Kinder und steile Karriere problemlos managt, animiert nämlich offensichtlich noch niemanden zum Nachmachen. Für eine wirklich erfolgreiche Familienpolitik muss eine Familienministerin schon mutiger sein und aufhören, es den Parteifreunden und der Wirtschaft mit freiwilligen Vereinbarungen und sanften Schüben immer nur recht machen zu wollen: Die Elternzeit müsste künftig auf Väter und Mütter gleich aufgeteilt werden, und zwar so, dass Männer die Monate nicht an ihre Frauen abgeben können. ErzieherInnen müssten eine bessere Ausbildung erhalten und mehr Geld verdienen, damit Eltern ihre Kinder beruhigt in die Kita geben können. Und das Ehegattensplitting, das viele Frauen aus Steuergründen zu Hause bleiben lässt, muss einer Individualbesteuerung weichen. Diese Ziele sind hoch gesteckt. Aber Ursula von der Leyen darf auf dem Weg dahin ruhig auch mal scheitern und ein wenig Glanz verlieren - dann fühlt sich die Normalfrau (und Wählerin) vielleicht auch eher angesprochen.

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