Kommentar GAL-Bildungspapier : Selbstkritik als Chance
Der Plan einer flächendeckenden Strukturänderung von oben in kurzer Zeit sei falsch gewesen, schreibt Goetsch in ihrem Papier. Darüber kann man streiten.
A uch wenn es im Goetsch-Papier nicht angesprochen wird: Nach der Lektüre stellt sich die Frage, ob die GAL nicht doch wieder das Bildungsressort übernehmen sollte. Dazu hört man aus der Partei verschiedene Meinungen.
Es ist viel Selbstkritik, die Christa Goetsch hier formuliert. Der Plan einer flächendeckenden Strukturänderung von oben in kurzer Zeit sei falsch gewesen, sagt sie. Darüber kann man streiten. Aber macht, wer solche Fehler einräumt, nicht bald weitere? Oder zeigt diese Politikerin, dass sie lernfähig ist? Und wäre eine Senatorin, die das Ressort kennt, nicht gerade geeignet?
Klar ist: An der Struktur aus Grundschule, Stadtteilschule und Gymnasium wird keine regierende Partei bald wieder etwas ändern. Aber innerhalb dieser Struktur kann Bildungspolitik verschieden gestaltet werden. Steht die Förderung jedes einzelnen Kindes im Mittelpunkt oder setzt man auf Druck und Paukkultur? Wird die Inklusion behinderter Kinder gefördert, werden Lehrerstellen für kleine Klassen vor sparwütigen Finanzsenatoren verteidigt?
Selbst wenn das Bildungsressort in andere Hände ginge: Position müssen die Grünen trotzdem beziehen, denn das Problem fehlender Bildungsgerechtigkeit ist nicht gelöst. Ein Ausweichen auf Hochschulpolitik wäre wenig überzeugend, zumal die Grünen sich hier zuletzt nicht gerade profilierten.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen
meistkommentiert