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Kommentar Erziehungscamps Die Entdeckung der Erlebnispädagogik

Christian Rath

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Christian Rath

Wärme, Liebe und Geborgenheit für jugendliche Straftäter? Die CDU formuliert das bloß anders. Doch die Idee der Erziehungscamps für jugendliche Intensivtäter ist nicht neu.

Christian Rath ist Rechtsexperte der taz

Mehr Wärme, Liebe und Geborgenheit für jugendliche Straftäter: Mit dieser Forderung geht die CDU in die anstehenden Wahlkämpfe. Nicht gemerkt? Natürlich formuliert die CDU das nicht ganz so plakativ - allein schon wegen ihres Images und den Wählern. Faktisch geht es bei der Forderung nach "Erziehungslagern" für jugendliche Intensivtäter aber um ein Konzept, dass den Rabauken neben Ordnung, Disziplin und Sport vor allem Zuwendung zukommen lassen will.

Man muss es den Unionspolitikern jedenfalls anrechnen, dass sie sich sofort von Bootcamps der USA distanziert haben. Dort soll vor allem der Wille der Delinquenten gebrochen werden, und dort kommt es immer wieder zu Gewaltexzessen und Todesfällen. Solche Ideen wären zwar beim einen oder anderen CDU-Wähler sicher auch gut angekommen. Doch CDU-Fraktionschef Volker Kauder und seine Mitstreiter verweisen lieber auf das Trainingscamp von Exboxer Lothar Kannenberg. Und der vertritt ganz offen, dass er seinen Jungs auch viel "Wärme, Liebe und Geborgenheit" vermitteln will - weil ihnen das in ihrer bisherigen Vita meist gefehlt hat und sie auch deshalb zu unsicheren, gewalttätigen Typen wurden.

Bei Leuten wie Lothar Kannenberg gibt es natürlich auch Überlebenstraining: Damit sollen Teamgeist und Rücksicht auf Schwächere eingeübt werden; diese Herausforderungen zu meistern soll das Selbstbewusstsein der Jungs stärken. Was aber ist das anderes als Erlebnispädagogik?

Früher spotteten CDUler, wenn junge Straftäter mit Sozialarbeitern in die Arktis oder nach Afrika geschickt wurden, um sie einem intensiven und fordernden Gemeinschaftserlebnis auszusetzen. Junge Kriminelle machen Urlaub auf Kosten der Steuerzahler, hieß es dann. Wenn das Ganze aber in Nordhessen stattfindet und Ministerpräsident Roland Koch ab und zu vorbeischaut, um sich mit schwarzen Boxhandschuhen ablichten zu lassen, dann ist diese Erlebnispädagogik plötzlich der Königsweg, um an schwierigste Intensivtäter heranzukommen. Na denn. Lernerfolge sind immer etwas Schönes. Auch bei der CDU.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Christian Rath

Christian Rath Rechtspolitischer Korrespondent

Geboren 1965, Studium in Berlin und Freiburg, promovierter Jurist, Mitglied der Justizpressekonferenz Karlsruhe seit 1996 (zZt Vorstandsmitglied), Veröffentlichung: „Der Schiedsrichterstaat. Die Macht des Bundesverfassungsgerichts“ (2013).
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