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Kommentar EntwicklungshilfeViel hilft nicht unbedingt viel

Kommentar von

Beate Holthusen

Manche Projekte und Programme verändern etwas – doch sind dies oft nur begrenzte Lösungen für Einzelfälle. Die globalen Strukture, die dazu führen, werden dabei selten beeinflusst.

G eld ist nicht das Problem bei der Entwicklungshilfe. Die Frage ist vielmehr: Wo fließt das Geld eigentlich hin? Doch jede Auseinandersetzung darüber ist unbequem. Viel einfacher ist es stattdessen, wie ein Mantra zu fordern, dass die Budgets aufgestockt werden müssen – um endlich die internationale Zielgröße von 0,7 Prozent der Wirtschaftsleistung zu erreichen. Auch auffällig: Diese Forderung wird von allen vertreten, obwohl so viel Harmonie doch sonst selten ist. Aber wenn es um die Entwicklungshilfe geht, dann sind sich PolitikerInnen und NGOs einig.

Und es ist ja wahr: Manche Projekte und Programme machen einen positiven Unterschied für die Betroffenen. Doch sind dies oft nur begrenzte Lösungen für Einzelfälle. Die weltweiten Strukturen, die für die Lebensverhältnisse mitverantwortlich sind, werden aber an einem anderen Tisch beeinflusst. Es ist gut, die kleinbäuerliche Landwirtschaft zu stärken, aber wenn die Exporte aus der EU den heimischen Markt dieser BäuerInnen kaputtmachen, sollten wir andere Hebel bewegen.

Dies zeigt sich auch beim Klimaschutz. Es ist richtig, wirtschaftlich arme Länder dabei zu unterstützen, eine erneuerbare Energieversorgung aufzubauen. Trotzdem wird der Klimawandel wirkungsvoller beeinflusst, wenn wir bei den Verursachern, also den Industrieländern, ansetzen und dort die Emissionen reduzieren. Gebraucht würden eigentlich Normen, die in Deutschland die Grenzwerte Schritt für Schritt nach unten absenken. Doch statt Druck auf die Industrie auszuüben, werden lieber Klimaschutzprojekte in den Entwicklungsländern finanziert. Das ist nah am Placebo.

BEATE HOLTHUSEN

47, ist seit etwa fünf Jahren taz-Genossin und in der Entwicklungszusammenarbeit tätig.

Damit soll aber weder die Entwicklungszusammenarbeit noch das Engagement der NGOs in Frage gestellt werden. Denn es gibt Modelle, die erfolgversprechend sind. Dazu gehören Maßnahmen, die die NGOs des Südens nicht nur befähigen, die Politik in ihrem eigenen Land zu reformieren – sondern sie auch zu wirkmächtigen Lobbyisten gegen die Interessen des reichen Nordens machen.

Hilfreich sind auch so ungewöhnliche Projekte wie der „Fehlerreport“ der Engineers Without Borders, der jährlich auflistet, woran Entwicklungshilfeprojekte gescheitert sind, damit aus den Irrtümern gelernt werden kann. Es ist unpolitisch, nur mehr Geld zu fordern.

Dies ist ein Text aus der Sonderausgabe „Genossen-taz“, die am 14. April erscheint. Die komplette Ausgabe bekommen Sie am Samstag an Ihrem Kiosk oder am eKiosk auf taz.de.

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2 Kommentare

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  • H
    Hartzi

    Und dann wundern sich die Leute das Steuern hinterzogen werden. Ich kann es verstehen, würde ich auch machen, geht aber mit Hartz4 sehr schlecht. Es kann nicht sein das Milliarden irgendwo nach Afrika gepumpt werden. Und was bringt das? Immer weniger Menscher verrecken dort und die vermehren sich wie die Karnickel. Und wer darf bezahlen? Wir Europäer. Und keiner geht hier auf die Straße um dagegen zu demonstrieren.

  • VS
    Volker Seitz

    Es ist erfrischend diesen Kommentar zu lesen.Hier schreibt -anders als Wieczorek-Zeul- jemand der keine Scheuklappen hat. Danke Frau Holthusen.

    Volker Seitz, Autor "Afrika wird armregiert"