Kommentar Cdu-Chef Freytag: Keine Krönung für Prince Charles

Michael Freytag inszeniert seinen Rücktritt als selbstbestimmt - dabei ist seine Zeit einfach abgelaufen.

Es ist ja nicht so, dass Michael Freytag nichts geleistet hätte. In erster Linie allerdings hat er sich mehr geleistet, als die Stadt bezahlen kann, die ihn regieren ließ. Damit ist jetzt Schluss, aber das heißt noch lange nicht, dass irgendetwas gut wird oder gar besser - weder in Hamburg noch in der CDU.

Freytags politische Leistung ist die Öffnung der Hamburger CDU zur Mitte. Zusammen mit Bürgermeister Ole von Beust hat er den Umbau der Union zu dem betrieben, was beide für eine moderne Großstadtpartei halten. Das führte sie von Schill zu den Grünen, zur Zerreißprobe für Partei und Koalition bei der Schulreform und zu dem Verdacht, für die Macht jede politische Überzeugung zu opfern.

Freytags persönliches Desaster ist es, als Haushaltsexperte gescheitert zu sein. Er selbst hielt sich für den größten Finanzsenator aller Zeiten, aber es reichte kaum zum Filialleiter bei der Kreissparkasse. Die Schieflage Hamburgs und der HSH Nordbank war nicht zu verhindern, aber sie hätte viel weniger dramatisch ausfallen müssen.

Freytag hat erkannt, dass er als Parteichef und Erbe von Beusts keine Zukunft mehr hat. Aber als Prince Charles der Hamburger Union unter einem anderen Bürgermeister zu enden, wäre für ihn eine Erniedrigung.

Also inszeniert er seinen Rücktritt, als sei dies ein selbst bestimmter. Aber Freytags Zeit ist einfach abgelaufen.

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