piwik no script img

Kommentar CDU-Programm Konvervative sind ziemlich innovativ

Kommentar von

Stefan Alberti

Was die Erstellung ihres Wahlprogramms angeht, sind die Konservativen die innovativste aller Berliner Parteien.

Ü ber Exkanzler Helmut Kohl gibt es einen alten Witz: Weil er die schlechte Berichterstattung leid war, wollte er mal was ganz Tolles machen und wünschte sich, über Wasser gehen zu können. Was schrieb die Presse? "Kohl kann nicht schwimmen." Wenn man wollte, könnte man den jüngsten Vorstoß der Berliner CDU ähnlich negativ bewerten: Die Union hat für ihr Wahlprogramm selbst keine Ideen mehr - sie muss die Bürger fragen. Tatsächlich aber muss man zugeben: Die Konservativen sind hier die innovativste aller etablierten Parteien.

Natürlich war es im besten Fall schon immer so, dass Parteien Ängste und Sorgen von Bürgern in ihr Programm aufgenommen haben. Bloß geschah das im alltäglichen Austausch, etwa bei Infoveranstaltungen der Parteien. Das aber band eine immer kleinere Gruppe - umso mehr, weil die großen Parteien Mitglieder in Massen verloren.

Wer will, kann natürlich auch zum Beispiel den Grünen eine Email schicken und darauf hoffen Gehör zu finden. Eine Internetplattform aber, auf der alle - Parteilose und -Parteimitglieder - Vorschläge machen und gegenseitig kommentieren können, hat außer der Piratenpartei noch keiner. Die Seite wird zwar von der CDU verwaltet. Dennoch ist kaum anzunehmen, dass die Partei neue Ideen, die quer zum bisherigen Programm stehen, einfach wegklickt - zu groß wäre der Ansehensverlust gerade für Parteivize Heilmann, wenn das raus käme.

Setzen sich aber bei den Klickraten neue Themen durch, wird die Partei sie in ihrem Wahlprogramm kaum ignorieren können. Da ist auch Heilmann im Wort: "Dann wird das unseren politischen Willen verändern."

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Stefan Alberti Redakteur für Berliner Landespolitik

Jahrgang 1967. Seit 2002 mit dreieinhalb Jahren Elternzeitunterbrechung bei der taz Berlin. Schwerpunkte: Abgeordnetenhaus, CDU, Grüne.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • C
    Caro

    Hätte ick denen nicht zugetraut. der heilmann macht da ganz schön aktion, da müssen wir echt auchpassen.