piwik no script img

Kommentar CCS-ForschungAus den Augen, in die Erde

Kommentar von

Marco Carini

Hinter dem Traum, Millionen Tonnen CO2 unschädlich unter den Meeresboden zu verpressen, stecken milliardenschwere Interessen. Doch der hat nichts Zukunftsweisendes.

D ie Forschung ist frei" sagt der Leiter der CCS-Forschergruppe, Klaus Wallmann, und weiß wohl, dass er irrt. Denn hinter dem Traum, Millionen Tonnen CO2 unschädlich unter den Meeresboden zu verpressen, stecken milliardenschwere Interessen, steht die Zukunft der kohlegeleiteten Energiewirtschaft.

Ohne CO2-Abscheidung und -Verpressung, so hat etwa der ehemalige Vattenfall-Chef Rainer Schuhbach betont, sei ein Kohlekraftwerk wie das in Hamburg-Moorburg unter Klimagesichtspunkten nicht zu rechtfertigen. Im Umkehrschluss: Lässt sich die CCS-Technik durchsetzen, hat die Kohleverstromung Zukunft und der Ausbau der regenerativen Energien kann auf die lange Bank geschoben werden. Darum - und um nichts anderes - geht es.

Allein der Gedanke, Millionen Tonnen des Klimakiller-Gases aus der Atmosphäre fernzuhalten, indem man es im Erdreich verschwinden lässt, hat nichts Zukunftsweisendes. Selbst die Energiekonzerne räumen ein, dass erst nach 100 bis 300 Jahren wirklich verlässliche Aussagen über das Verhalten des Klimagases im Untergrund gemacht werden können. Doch solange will natürlich niemand warten.

Schon immer war das "Aus den Augen, in die Erde" der erste Ansatz, gefährlichen Müll aus dem Blickfeld zu verbannen. Die undichte Abfalldeponie Schönberg und das lecke Atomlager in der Asse künden von diesem Irrweg, der nun ein weiteres Mal beschritten werden soll.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Marco Carini Hamburg-Redakteur

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • X
    xoakh

    Begriffe wie "Klimakiller-Gas" sind unsachlich und erwecken nicht den Eindruck einer Kompetenten Analyse. CO2 "killt" das Klima nicht, sondern sorgt bei zu hohen Konzentrationen in der Atmosphäre für eine Klimaerwärmung. Wenn ich so etwas lese, fällt es mir schwer, den Rest ernst zu nehmen.