Kommentar Ausbeuter-Vermieter: Kein Vertrauen ins Jobcenter
Die meisten betroffenen Mieter schwiegen. Denn die Furcht, ihre Wohnung zu verlieren, war größer als ihr Vertrauen in die Behörde. Daran muss die Behörde etwas ändern.
E in Vermieter hat im großen Stil das Jobcenter und damit das Gemeinwesen betrogen. Der Fall zeigt, wie schwach die Position mancher ist, die auf die Hilfe des Staates zum Leben angewiesen sind. Dem Jobcenter lässt sich schwerlich ein Vorwurf machen, dass es das nicht unterbunden hat. Die Fälle zeigen aber auch, dass es kein Vertrauensverhältnis zwischen ihm und den Hilfe-Empfängern gibt.
Kuhlmann und weitere Vermieter haben Wohnungen für teures Geld vermietet, die viel kleiner waren als im Mietvertrag angegeben oder schwerwiegende Mängel hatten. Das Jobcenter, das den Hilfe-Empfängern die Wohnung bezahlt, hatte keine Möglichkeit herauszufinden, dass die Wohnungen überteuert waren – schließlich war auf dem Papier der Mietverträge alles in Ordnung.
Es wäre an den Betroffenen gewesen, die Behörde auf den Betrug hinzuweisen. Aber die meisten von ihnen schwiegen – sei es aus Angst, aus Handlungsunfähigkeit oder aus schlichter Wurschtigkeit. Und diejenigen, die noch über einen Rest an Handlungspotenzial verfügten, teilten sich nicht etwa dem Jobcenter mit, sondern den Medien, in Sonderheit dem sozial engagierten Straßenmagazin Hinz & Kunzt. Das bedeutet, dass ihre Furcht, die Wohnung zu verlieren, größer war als das Vertrauen in das Jobcenter. Daran muss die Behörde etwas ändern.
Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 360 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen
meistkommentiert