Kommentar Artenschutzkonferenz: Große Probleme - kleine Erfolge

Dem dramatischen Artenschwund setzt die Bonner Konferenz wenig entgegen. Da waren Bremser wie Kanada und Brasilien vor. Immerhin: in Deutschland tut sich was.

Zum Ende des UN-Artenschutzgipfels in Bonn steht ein Gewinner ohne Zweifel fest: Sigmar Gabriel. Der Umweltminister hat es geschafft, ein kompliziertes Thema in die Öffentlichkeit zu bringen, die Kanzlerin ins Boot zu holen und dem Finanzminister viel Geld abzutrotzen. Seine engagierte Leitung der zweiwöchigen Verhandlungen hat ihm nicht nur bei den Teilnehmerstaaten, sondern selbst bei den skeptischen Umweltverbänden Lob eingebracht.

Ein möglicher Gewinner ist auch der Naturschutz in Deutschland. Die Forderungen und Zusagen auf internationaler Ebene und die erhöhte öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema setzen die Bundesregierung zweifellos unter Druck, auch zu Hause die notwendigen Aufgaben zu erledigen. Dafür werden auch die Umweltgruppen sorgen, die ebenfalls gestärkt wurden: Viele ihrer Forderungen sind nun offizielles Regierungsprogramm.

Dass die Welt dem eigentlichen Ziel der Bonner Konferenz - den weltweiten Verlust der Artenvielfalt aufzuhalten - näher gekommen ist, scheint hingegen fraglich. Der Prozess, der auf weltweite Einstimmigkeit setzt, ist extrem zäh. Immer wenn Ziele konkret werden und damit wirtschaftliche Interessen bedrohen, sind die Widerstände groß. Das belegen das Scheitern bei Vereinbarungen zu illegalen Rodungen oder die erneute Verschiebung des gerechten Vorteilsausgleichs, der garantieren soll, dass Entwicklungsländer an den Gewinnen aus ihren natürlichen Ressourcen beteiligt werden.

Eine grundsätzliche Änderung dieser mühsamen Entscheidungsprozesse ist nicht in Sicht. Dennoch ist es möglich, die Geschwindigkeit beim Artenschutz zu steigern. Die Staaten, die in Bonn als schlimmste Blockierer aufgetreten sind - neben Japan und Kanada gehörten dazu auch Neuseeland und Brasilien -, sollten an den Pranger gestellt werden. Damit sich ihre Haltung bis zur nächsten Konferenz 2010 in Japan verändert, ist wirtschaftlicher und politischer Druck unabdingbar. Außerdem müssen Staaten, die mehr erreichen wollen, mit bilateralen Verträgen und eigenen Gesetzen vorangehen. Wenn die Bonner Konferenz wirklich als Erfolg gelten soll, fängt die eigentliche Arbeit für Gabriel jetzt erst an.

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Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.   Für seine Aufdeckung der Rechenfehler von Lungenarzt Dr. Dieter Köhler wurde er 2019 vom Medium Magazin als Journalist des Jahres in der Kategorie Wissenschaft ausgezeichnet. Zudem erhielt er 2019 den Umwelt-Medienpreis der DUH in der Kategorie Print. Derzeit beschäftigt er sich neben seinen sonstigen Themen intensiv mit der Entwicklung der Corona-Epidemie, auch auf seinem Twitter-Account @MKreutzfeldt .

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