Hintergrund UN-Artenschutz-Konferenz: Auch das Meer wird nun geschützt

Neue Schutzgebiete, mehr Recht gegen Biopiraterie - aber kein Verbot von Gentech-Bäumen oder aufwendigem Biosprit: Die Beschlüsse der Artenschutzkonferenz im Detail.

Soll endlich besser geschützt werden. Bild: dpa

BONN taz/afp Den Verlust an Artenvielfalt bis 2010 zu bremsen, ist das erklärte Ziel der UN-Biodiversitätskonvention. Dazu soll ein weltweites Netz von Schutzgebieten aufgebaut werden. Auf der Konferenz in Bonn wurden zumindest Fortschritte auf diesem Weg sowie beim Kampf gegen Biopiraterie erzielt. Andere Beschlüsse bleiben eher vage.

Meeresschutz: Bisher gibt es auf hoher See, also außerhalb der Hohheits- und Wirtschaftszonen entlang der Küsten, praktisch keinerlei Schutzgebiete. Das soll sich nun ändern: In Bonn wurden erstmals Kriterien für die Ausweisung solcher Gebiete vereinbart. Besonders geschützt werden demnach vor allem solche Regionen, die seltene und bedrohte Tierarten enthalten (etwa das Sargasso-Meer) oder wichtige Laich- und Durchzugsgebiete. Bis tatsächlich die ersten Gebiete unter Schutz stehen, werden zwar noch mehrere Jahre vergehen; die Einigung auf die Kriterien wurde jedoch als entscheidender Druchbruch dafür gewertet. Bislang stehen insgesamt nur 0,5 Prozent der Meere unter Schutz; künftig könnten es 20 bis 40 Prozent sein.

Meeresdüngung: Die Konferenz bezog Stellung gegen die künstliche Düngung von Meeresgebieten. Ziel der Meeresdüngung mit Eisen ist es, eine Algenblüte hervorzurufen und so möglichst viel des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) zu binden. Wissenschaftler befürchten aber starke negative Auswirkungen auf die Meeresumwelt. Zudem ist bislang völlig unklar, ob solche die Methode tatsächlich positive Auswirkungen auf das Klima hat. Das Verfahren darf deshalb lediglich in kleinen Gebieten zu Forschungszwecken erprobt werden. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sprach von einem "De-facto-Moratorium".

Biopiraterie: Die Konferenz hat sich auf einen Zeit- und Themenplan für einen Beschluss zur Verhinderung von Biopiraterie geeinigt. Der angestrebte Text soll regeln, wie ein Entwicklungsland an den Gewinnen beteiligt wird, wenn etwa seine Heilfplanzen von einem Pharmakonzern aus einem Industriestaat genutzt werden. Erst während der nun beschlossenen Verhandlungen wollen die Länder entscheiden, welche Elemente einer künftigen Vereinbarung verbindlich sein oder nur Empfehlungscharakter haben werden. Das Dokument sollen die Konventionsstaaten bei ihrem nächsten Treffen auf Grundlage des "Bonner Mandats" im Jahr 2010 verabschieden.

Agrartreibstoffe: Die Teilnehmerstaaten bekannten sie sich zu einer nachhaltigen Erzeugung und Nutzung von Agrartreibstoffen. Kriterien dafür legten sie nicht fest. In Bonn scheiterte die Forderung vor allem von EU-Staaten nach konkreten Kriterien am Widerstand wichtiger Erzeugerländer wie Brasilien. Umweltverbände hatten vor allem die Herstellung von Biosprit kritisiert. Der Konvention über die biologische Vielfalt gestehen die Staaten nun zu, eine wichtige Rolle bei dem Thema zu spielen. Bis zur nächsten Konferenz, die 2010 in Japan stattfindet, werden in regionalen Foren Probleme und mögliche Lösungen erarbeitet.

Waldschutz: Die Konferenz konnte sich nicht darauf einigen, den Handel mit illegal geschlagenem Urwaldholz weltweit zu verbieten. Auch ein besonderer Schutz für Primärwälder wurde nicht festgeschrieben. Als Erfolg gilt hingegen, dass eine Zusammenarbeit mit der UN-Klimakonvention vereinbart wurde; diese soll sicherstellen, dass bei der Anrechnung von Wäldern zum Klimaschutz künftig auch das Kritierium Artenvielfalt berücksichtigt wird. Während der Konferenz boten nach Angaben von Umweltminister Sigmar Gabriel zudem 30 Länder und Regionen an, insgesamt zusätzlich 65 Millionen Hektar Wald unter Schutz zu stellen. Das entspricht einer Größenordnung nahe der doppelten Fläche Deutschlands. Die Demokratische Republik Kongo und Brasilien kündigten in Bonn an, ihre Rettungsprogramme für den Regenwald auszuweiten.

Illegales Abholzen: Eine Aufforderung an die Mitgliedsstaaten, dagegen vorzugehen, wurde am Freitagnachmittag noch aus dem Beschlusstext gestrichen. Umweltschützer werfen zudem Deutschland und der EU vor, nicht wie angekündigt eine Urwaldschutzrichtlinie oder ein Gesetz vorgelegt zu haben, um den Import von illegal geschlagenem Tropenholz einzudämmen.

Transgene Bäume: Die Mitgliedsstaaten beschlossen, dass jedes Land selbst entscheidet, ob es genetisch veränderte Bäume anbaut. Dafür sind lediglich Untersuchungen notwendig, die das jeweilige nationale Recht vorschreibt. Die Forderung afrikanischer Staaten nach einem Moratorium ist damit durchgefallen.

Artenschutzrat: Mit der Studie des indischen Ökonomen Pavan Sukhdev wurde in Bonn ein Einstieg in die wirtschaftliche Bewertung der Artenvielfalt gemacht. Gemäß einem Vorschlag Frankreichs soll es künftig einen wissenschaftlicen "Artenschutzrat" nach Vorbild des Weltklimarats geben. Geplant ist zudem eine Sondersitzung der Generalversammlung der Vereinten Nationen zum Artenschutz. Hingewiesen wurde auch auf Wechselwirkungen zwischen Biodiversität und Klimaschutz.

Finanzierung: Deutschland versprach während der Konferenz insgesamt 500 Millionen Euro bis 2012 zusätzlich für Schutzgebiete weltweit. Danach soll diese Summe jedes Jahr zur Verfügung stehen. Die Bundesregierung startete die "Life Web"-Initiative, die zu mehr Schutzgebieten führen soll. Sie bringt Länder, die Schutzgebiete ausweisen wollen zusammen, mit denjenigen zusammen, die sie finanzieren können. Weitere Geldgeber fanden sich in Bonn allerdings noch nicht.

MITARBEIT: MALTE KREUTZFELDT

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