Kommentar Anschlag auf CIA-Stützpunkt: Spirale des Misstrauens

Dieser Anschlag auf einen wichtigen CIA-Stützpunkt in Afghanistan trägt dazu bei, das Misstrauen zwischen afghanischen und ausländischen Soldaten zu verstärken.

War der Selbstmordattentäter, der am Mittwoch in einer US-Militärbasis im afghanischen Khost sieben CIA-Agenten tötete, ein afghanischer Soldat? Das behaupten die Taliban. Oder war es ein Talib, der sich in einer afghanischen Militäruniform tarnte? Im Endeffekt macht es keinen Unterschied: Dieser Anschlag trägt dazu bei, das Misstrauen zwischen afghanischen und ausländischen Soldaten zu verstärken. Und das ist auch die Absicht dahinter.

Um aus der zunehmend unbeliebten Militärintervention in Afghanistan auszusteigen, will die internationale Gemeinschaft schnell mehr afghanische Truppen ausbilden und diesen mehr Verantwortung übertragen. Bereits in diesem Jahr sollen afghanische Truppen mehr ausländische Militärstützpunkte bewachen und in mehr gemeinsame Einsätze einbezogen werden. Dazu müssen die ausländischen Truppen ihren afghanischen Partnern aber das nötige Vertrauen entgegenbringen. Und das wird durch solche Zwischenfälle wie jetzt in Khost untergraben.

Der Anschlag auf den wichtigen CIA-Stützpunkt in Afghanistan stellt nicht nur eine geheimdienstliche Meisterleistung der Taliban dar. Er ist auch geeignet, einen Keil zwischen ausländischen Soldaten, Agenten und einheimischen Kräften zu treiben.

Schon in den letzten Monaten kam es immer wieder zu Vorfällen, bei denen afghanische Rekruten und Soldaten unvermittelt auf ihre britischen Ausbilder oder US-Soldaten losgingen und diese sogar töteten. Dies hat zu einem Klima des gegenseitigen Misstrauens geführt, das den Taliban in die Hände spielt. Je mehr Afghanen sich durch dieses Misstrauen diskriminiert fühlen, desto mehr werden sie den Abzug der ausländischen Truppen herbeisehnen. Und je mehr die gegenseitige Abneigung zunimmt, desto öfter dürfte es wiederum zu solchen Zwischenfällen kommen.

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Asienredakteur der taz seit 1997, vorher freier Journalist. Studierte Politologie sowie Communication for Development in Berlin und Malmö. Versucht asiatisch-europäische Begegnungen zu ermöglichen durch taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit asiatischen JournalistInnen und Diskussionsverantaltungen in der taz-Kantine (Han Sens ASIENTALK). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @HanSensAsientalk

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