Kommentar Ahrensburger Missbrauchs-Fälle: Eine Krücke, die nicht hilft
Durch den Verzicht des Kirchengerichts auf Zeugenvernehmungen verlieren die Opfer die letzte Chance auf Aufklärung.
E s war klar: Das kirchenrechtliche Verfahren um die Missbrauchsfälle von Ahrensburg würde bestenfalls eine Krücke sein. Die eigentliche Aufarbeitung hätte nur strafrechtlich, nur vor einem ordentlichen Gericht stattfinden können. Das haben die ausgesprochen täterfreundlichen Verjährungsfristen für sexuellen Missbrauch verhindert – und die Kumpanei der beiden furchtbaren Pastoren von Ahrensburg.
Letztere allerdings hätte das kirchenrechtliche Verfahren gegen den zweiten Pastor, der bislang auf seinen Rang als Pastor und die damit verbundenen Privilegien besteht, aufdecken können – wenn die Zeugen wie geplant gehört worden wären. Und schon das hätte den Opfern einen Teil ihre Würde wiedergeben können, ja vielleicht sogar Genugtuung verschafft. Unabhängig von der Frage, ob der Pastor, der Gottes Liebe zu fleischlich verstanden wissen wollte, dafür mit dem offiziellen Rausschmiss aus dem Kirchendienst und dem Verlust seiner Pensionsansprüche gebüßt hätte.
Das Verfahren ohne Zeugenanhörung zu beenden, riecht nach allzu bereitwilliger vorweihnachtlicher Vergebung. Das ist für die Kirche ein Problem: Sie muss nun weiter dulden, dass ein Pastor Ehepaare trauen, Kinder taufen oder Predigten halten darf, dem man strafrechtlich mindestens Unzucht mit Abhängigen vorwerfen kann. Ein viel größeres Problem aber ist es für seine Opfer.
40.000 mal Danke!
40.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Was uns besonders macht? Sie, unsere Leser*innen. Sie wissen: Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Wir suchen auch weiterhin Unterstützung: suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus – schon mit 5 Euro im Monat! Jetzt unterstützen
meistkommentiert
Tabubruch der CDU
Einst eine Partei mit Werten
Social-Media-Star im Bundestagswahlkampf
Wie ein Phoenix aus der roten Asche
Mitarbeiter des Monats
Wenn’s gut werden muss
Gerhart Baum ist tot
Die FDP verliert ihr sozialliberales Gewissen
Krieg und Rüstung
Klingelnde Kassen
Jugendliche in Deutschland
Rechtssein zum Dazugehören