Kolumne Liebeserklärung: Meng Meng wird menschlich

Der Panda ist mehr als nur ein Touri-Magnet des Berliner Zoos. Meng Meng winkt und lächelt nicht nur nett. Jetzt rebelliert er.

Ein Pandabär sitzt vor einer Torte aus Gemüse.

Gemüse-Torte zum vierten Geburtstag: Meng Meng am Montag im Berliner Zoo Foto: dpa

Nachdem die Elektropunkband Frittenbude den Pandabären 2008 zum inoffiziellen Antifa-Maskottchen kürte, hatte sich der linke Pop-Hype um das Bambus naschende Tier gelegt. Bis vor drei Wochen, denn da kamen die Bärin Meng Meng und der Bär Jiao Qing als Leihgabe aus China in den Berliner Zoo, ihr neues Zuhause.

„Zuhause“ klingt dabei zynisch, bedenkt man, dass sie zwei Funktionen erfüllen sollen: Einerseits dienen sie im Zoo als eingesperrte Attraktionen für lästige Besucher*innen, andererseits sollen sie gefälligst vögeln, damit es Nachwuchs gibt, der in Berlin bleiben kann, wenn die Leihdauer verstrichen ist.

Nach einer langen Reise und der erhöhten Aufmerksamkeit im Berliner Zoo ist es wenig verwunderlich, dass Meng Meng Verhaltensauffälligkeiten aufweist. Der ganze Stress hat bei ihr eine Angststörung ausgelöst, vermutet Peter Höffken, Zoo-Referent der Tierschutzorganisation Peta, gegenüber der BZ. Davon will der Zoo-Tierarzt nichts gehört haben, für ihn ist die Tatsache, dass Meng Meng nur noch rückwärts läuft, nein, tapst, einfach eine kleine Marotte, wie wir Menschen sie auch haben. Sounds fake but okay.

Meng Meng eckt an

So oder so macht es Meng Meng, einen der beiden neuen Stars des Berliner Tierhimmels, viel menschlicher und so zu einem Vorbild für junge Menschen: Dem Stigma entgegen zeigt sie ihre sozialen Ängste offen und passt sich keinen Verhaltenscodes an. Wie die meisten anderen Pandas, die als Fortpflanzungsmaschinen in Zoos gesperrt werden, wird auch sie wahrscheinlich keinen Bock auf Sex haben. Als sie letzte Woche einen mit Elektrodraht umwickelten Baum unbeschadet hochkletterte, zeigte sie zivilen Ungehorsam. Vielleicht, weil sie weder die Verhältnisse im Zoo noch ihren Pandamacker ertragen kann.

Damit erinnert sie an den cholerischen Panda aus der „Never Say No to Panda“-Werbekampagne des ägyptischen Käseherstellers Panda Cheese, dessen Wutausbrüche in GIF-Form das Internet durchfluten. Und was bietet mehr Identifikationspotenzial als kantige Gefühle wie Wut und Angst?

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Hengameh Yaghoobifarah studierte Medienkulturwissenschaft und Skandinavistik an der Uni Freiburg und in Linköping. Heute arbeitet Yaghoobifarah als Autor_in, Redakteur_in und Referent_in zu Queerness, Feminismus, Antirassismus, Popkultur und Medienästhetik.

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