Kolumne G-kacken

Wenn Trump sich davonschleicht

Hoffentlich verirrt sich der US-amerikanische Präsident nicht ins Karoviertel. Da ist es für ihn im Moment nämlich eher nicht so great.

Ein Mann malt an einer Hauswand einj Graffito mit der Aufschrift "Love Donald, hate Trump" und einem Donald-Duck-Motiv

Nicht wirklich willkommen: US-Präsident Donald Trump Foto: Miguel Ferraz

So, die Marktstraße ist fertig, die Highstreet des in den Reiseführern als besonders toll gepriesenen Karoviertels. Das Gros der Schaufenster zugenagelt oder abgeklebt, manche Abdeckungen hübsch bemalt, die Autos entfernt – es gähnt eine Leere, dass man nicht überrascht wäre, wenn Tumbleweed durch die Straße rollt.

Auch auf das Auftauchen von Trump Weed ist man vorbereitet. An den Haustüren hängen jetzt Hinweise, dass der Eintritt von Trump, Erdoğan und Putin nicht erwünscht ist. Ich stelle mir das ganz schön heftig vor, wenn Trump, vielleicht, weil er eh nichts versteht von dem, was geredet wird, sich davonschleicht und ’n Kaffee trinken will.

Vielleicht hat auch er in einen Touri-Guide geguckt, einen mit vielen Bildern, und denkt sich, das wär’s doch. Da mal hin, in diese Marktstraße. Soll ja great sein. Da kann er mal ausruhen von den ganzen Klugscheißern und bei „Gräitchens Villa“ ’n Cheesecake essen. Ein Gräitchen hat er auch mal gekannt. Die war sehr sweet, und blasen konnte die wie ein ganzes Orchester.

Und dann kommt der Mann in die Straße und überall sieht er seine dumme Fratze. Durchgestrichen. Weggekrickelt. Mit ausgeschnittenen Augen. Und an jeder Haustür steht, er solle draußen bleiben.

Keine Politikverdrossenheit

Da ist doch die nächste Eskalationsstufe angesagt. Entweder greift er jetzt endgültig Nordkorea an oder – weil er sich das vielleicht für noch schlimmere Erlebniskompensation aufheben muss – er stellt zumindest eine Version von „Ego-Shooter“ ins Netz, in der er durch das Szenario zieht und alle vernichtet. Plattmacht mit einem MG, das niemals nachgeladen werden muss.

Am 7. und 8. Juli treffen sich in Hamburg die Staatschefs der größten Industrie- und Schwellenstaaten zum G20-Gipfel. Die taz berichtet dazu in einem laufend aktualisierten Schwerpunkt und ab dem 1. Juli mit täglich 8 Sonderseiten.

Ansonsten ist es in meinem Viertel gerade sehr ruhig. Für das Ankommen von Gut und Böse sind die Straßen abgeriegelt. Vor der U-Bahn-Station wurde ein Zelt aufgebaut, wie man es aus Filmen kennt, wenn die Helden so tun, als würden sie Straßenarbeiten durchführen und am Ende ist der Tresorraum der Sparkasse leer.

Gestern schlurfte ein süßer, verzottelter Mann herum, der ein Schild trug: „Nicht schießen!“, und irgendwo soll eines hängen mit der Aufschrift: „Rettet lieber die scheiß Wale!“ Als hätte der Senat was gutmachen wollen, lässt sich der Umstand lesen, dass sich die Polizeibeamten bei der „Lieber tanz ich als G20“-Demo nicht weiter radikalisierten. So hatten wir den geilsten Rave inmitten unserer Hood. 15.000 Leute, die meisten jung. Es gibt keinen Grund, ständig Politikverdrossenheit zu beklagen. Die Leute sind nicht der Politik gegenüber verdrossen. Sie sind gegenüber der herrschenden Politik verdrossen.

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Silke Burmester ist mittwochs auf der taz-Medienseite als „Kriegsreporterin“ im Einsatz. Bei Spiegel Wissen trägt Ihre Kolumne den schönen Titel „Frau Burmester hat einen Termin“. Ihre Themen sind Gesellschaftspolitik, Medien und Kultur. Außer für ihre Liebe, die alte Tante taz, schreibt sie u.a. fürs Manager Magazin, Brigitte Woman und Reisemagazine. Sie gibt Schreibseminare und ja, sie macht auch PR. Bei Kiepenheuer und Witsch ist ihr Pamphlet gegen die Hysterie der Medien „Beruhigt Euch“ ebenso erschienen, wie „Das geheime Tagebuch der Carla Bruni“. Silke Burmester ist Mitglied bei ProQuote und bei Freischreiber.

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