piwik no script img

Kolping-Stiftung in ParaguayRundumerfolg für Whistleblowerin

Die Kolping-Stiftung Paraguay scheitert mit der Anzeige gegen die frühere Geschäftsführerin Brigitte Fuzellier. Das Justizministerium stellt alle Verfahren ein.

Jürgen Vogt

Aus Buenos Aires

Jürgen Vogt

Die Kolping-Stiftung Paraguay ist mit ihrem juristischen Kreuzzug gegen ihre ehemalige Geschäftsführerin Brigitte Fuzellier endgültig gescheitert. Am Montag verfügte das Justizministerium in Asunción die Einstellung aller noch anhängigen Verfahren gegen die Whistleblowerin. Als Begründung gab die zuständige Oberstaatsanwaltschaft das Fehlen jeglicher fundierter Begründungen und ausreichender Verdachtsmomente an.

Noch im November vergangenen Jahres hatte die Kolping-Stiftung Paraguay eine weitere Anzeige wegen mutmaßlicher Falschaussage gegen ihre frühere Geschäftsführerin eingereicht. Fuzellier hatte Anfang 2010 erstmals Korruptionsvorwürfe gegen ihre Amtsvorgänger in der paraguayischen Stiftung erhoben. So sollen zwischen 2002 und 2007 beim Neubau eines Stiftungshauses über eine Million Euro europäischer Entwicklungsgelder hinterzogen worden sein.

Vom deutschen Entwicklungsministerium (BMZ) und der EU hatte die Kolping-Stiftung bis 2007 rund 1,4 Millionen Euro bekommen. Nach einer BMZ-Prüfung musste Kolping Deutschland 241.000 Euro an die Bundesregierung zurückzahlen. Ende September 2010 entschied der Vorstand der Kolping-Stiftung Paraguay, Fuzellier fristlos zu entlassen. Und anstatt die Vorwürfe weiter aufzuklären, startete der neue Geschäftsführer Olaf von Brandenstein eine Anzeigenflut gegen Fuzellier.

Schon in früheren Verfahren war der Neue auf der Geschäftsführerstelle mehrfach gescheitert. „Jetzt hat die jahrelange Verfolgung endlich ein Ende“, so die Whistleblowerin. „Meine Existenz ist zerstört, aber die Wahrheit hat gesiegt“, kommentierte Fuzellier und kündigte eine Schadensersatzklage an. Alle Bemühungen, mit der Kolping-Stiftung zu einer Übereinkunft zu kommen, seien gescheitert.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • tomás zerolo

    Bananenrepublik Deutschland. Das entbehrt nicht einer gewissen bitteren Ironie.