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Klischees am WeltmädchentagVerstrahltes Konzept

Das Kinderhilfswerk Plan strahlt Gebäude in Pink an. Das ist nicht nur einfallslos, sondern verstärkt Klischees, die der Tag eigentlich ausräumen soll.

Andrea Maestro

Aus Hamburg

Andrea Maestro

taz | Es soll ein kräftiges, starkes, selbstbewusstes Pink sein. Kein sanft-weiches Rosa. Mehr Barbie als Prinzessin Lillifee – also vom Farbton her. Zum internationalen Weltmädchentag lässt das Kinderhilfswerk „Plan“ als Teil seiner weltweiten Kampagne „Because I am a girl“ in 30 deutschen Städten fast 50 Gebäude und Wahrzeichen pink erstrahlen. Unter anderem werden der Weser-Tower in Bremen, das Museumsschiff Rickmer-Rickmers in Hamburg und das Lübecker Holstentor mit dicken Scheinwerfern „pinkifiziert“.

Doch gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht: Die Aktion unterstützt das klischeehafte Mädchenbild. Das ist am Weltmädchentag, den die Vereinten Nationen im Jahr 2011 ins Leben riefen, um auf die Benachteiligungen von Mädchen hinzuweisen, nicht nur kontraproduktiv, sondern auch einfallslos. Mehr als „Mädchen gleich pink“ ist den „Plan“-Organisatoren nicht eingefallen – zum dritten Mal in Folge?

Dabei ist nicht die Farbe an sich das Problem. Pink ist schön. Eine Signalfarbe. Ein Hingucker. Also ganz im Sinne der „Plan“-Organisatoren. Problematisch ist, dass Mädchen und Jungen auf bestimmte Eigenschaften und Rollenmodelle reduziert werden, darauf weist die Initiative Pinkstinks seit Jahren hin.

Mädchen sind schwach, hilfsbereit, empathisch, süß – kleine Prinzessinnen eben. Jungs sind stark, kämpferisch und willensstark. Die Farben Rosa und Pink stehen beispielhaft für dieses Schubladendenken. Für Jungs sind sie nämlich tabu.

Auch „Plan“ hat sich darüber Gedanken gemacht. Die Homepage betont, dass sich die Organisation mit der Aktion gegen die klischeehafte Verwendung der Farbe Pink zur Wehr setzt. „Pink ist für alle da“, heißt es. Blöd nur, dass es um Jungen am Mädchentag nicht geht. Die Farbe, die ein „Plan“-Sprecher am Telefon vorsorglich lieber Magenta nennt, verniedlicht die politischen Botschaften des Mädchentags.

Denn eigentlich geht es der Organisation darum, Mädchen auf der ganzen Welt eine bessere Schulbildung zu ermöglichen. Bislang gehen 62 Millionen Mädchen gar nicht zur Schule, 130 Millionen Mädchen und Frauen sind von Genitalverstümmelung betroffen und jeden Tag werden 41.000 Mädchen vor ihrem 18. Geburtstag verheiratet.

Das veröffentlichte „Plan“ kürzlich in einem Bericht. Dass sich Plan gegen diese himmelschreiende Ungerechtigkeit einsetzt, ist großartig. Diese Inhalte über eine Kampagne zu vermitteln, die selbst Geschlechterklischees reproduziert: ziemlich verstrahlt.

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