Klimakrise gefährdet Strände: Sand unter

Die Klimakrise verstärkt die Erosion an den Küsten weltweit. Deshalb sind laut einer Studie große Teile der Sandstrände in Gefahr.

Eine Person mit Hund während einem Sturm an einem Strand.

Wo ist der Strand? Während Sturm Sabine auf Norderney Foto: Priller&Maug/imago

BERLIN taz | Das Meer verschlingt die Strände. Das Wasser schwemmt kleine Sandkörnchen weg, immer wieder. Manche sinken auf den Meeresboden, andere gehen mit den Wellen auf die Reise, bis sie wieder irgendwo an Land hängen bleiben.

Erosion ist ein natürlicher Prozess, der den Menschen gefährlich wird, wenn sie nahe an der Küste leben oder wirtschaften. Die Klimakrise dürfte das Problem verstärken. Ihre Folgen, der Anstieg des Meeresspiegels zum Beispiel, drohen durch verstärkte Erosion große Teile der Sandstrände auf der Erde zu vernichten. Das legt eine Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle der Europäischen Kommission nahe, die gerade im Fachmagazin Nature Climate Change veröffentlicht wurde.

„Unsere Forschung zeigt, dass fast die Hälfte der weltweiten Sandstrände in Gefahr sind, wenn wir den Ausstoß von Treibhausgasen nicht drastisch reduzieren“, sagt Leitautor Michail Vousdoukas.

Sandstrände machen ein Drittel der Küsten aus. Und sie sind, wie es in der Studie heißt, von „hohem sozioökonomischen Wert“: An den Stränden tummeln sich Tourist:innen gern, auch die örtliche Bevölkerung außerdem sind sie wie natürliche Schutzstreifen zwischen Land und Meer bei Fluten.

Satellitenbilder von 1984 bis 2015

Vousdoukas' Forschungsteam hat sich für die Projektion die Veränderungen von Sandstränden in der Vergangenheit angeguckt, die sich durch Satellitenbilder aus der Zeit von 1984 bis 2015 zeigen lassen.

Diese Daten dienten als Grundlage, um die erwartbaren Veränderungen bis 2100 durch Computersimulationen zu berechnen. Wie stark oder schwach diese ausfallen, hängt natürlich davon ab, wie die Welt nun mit der Klimakrise umgeht: Steigt die Temperatur auf der Erde im globalen Durchschnitt höher, ist auch mit einem größeren Meeresspiegelanstieg zu rechnen oder auch mit stärkeren Stürmen – und in der Folge eben auch mit mehr Erosion an Sandstränden.

Deswegen haben Vousdoukas und seine Kolleg:innen zwei verschiedene Szenarien des Weltklimarats IPCC angesetzt: ein pessimistisches mit einer Erderhitzung von 4,8 Grad zum Ende des Jahrhunderts gegenüber vorindustriellen Zeiten und ein etwas moderateres, bei dem sich die Erde um „nur“ 2,8 Grad erwärmt hat.

Bis Hälfte der Strände weg

Bis zum Ende des Jahrhunderts könnte der Studie zufolge die Hälfte der Sandstrände nahezu komplett verschwunden sein – im pessimistischen Szenario. Die gute Nachricht ist: Klimaschutz hilft. Schafft es die Menschheit, im moderaten Szenario zu bleiben, könnten sich die Schäden um 40 Prozent verringern, wie es in der Studie heißt.

Die am stärksten bedrohten Regionen liegen den Wissenschaftler:innen zufolge im Osten Nordamerikas, in Süd- und Westasien, in Australien, in der Karibik – aber auch in Mitteleuropa. Deutschland mit seinen flachen Küsten werde auch recht stark betroffen sein, sagt Vousdoukas.

Beide Szenarien liegen über dem, was die Staaten sich mit dem Pariser Klimaabkommen vorgenommen haben. Darin haben sie versprochen, die Erderhitzung bei „deutlich unter 2 Grad“ zu begrenzen und möglichst sogar unter 1,5 Grad.

Bei den sehr aufwändigen Simulationen habe man sich allerdings nicht für ein solches Szenario entschieden, erklärt Vousdoukas, weil es derzeit schlicht wenig wahrscheinlich erscheine. „Die Welt ist meilenweit davon entfernt, solche Ziele zu erreichen.“

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