: Kleinod kontra Größenwahn
Architektur aus dem Nähkästchen: In der Galerie Deschler werden anhand von „zwölf Portraits verlorener Gebäude“ humorvolle Geschichten um das moderne Bauwesen gewoben
Seit dem Architekturkongress in Berlin gibt es reichlich Zukunftsweisendes in den Galerien zu sehen. Das Konfliktangebot an moderner Architektur und Stadtplanung inspiriert vor allem zur Auseinandersetzung mit Schlagwörtern wie Urbanität und Stadtentwicklung. Eine besondere Sichtweise wird dazu in der Galerie Deschler geboten. Hier rekonstruierten anhand gezeichneter Häuser des Künstlers Gottfried Müller ArchitekturstudentInnen aus Kaiserslautern Modelle. Es entstand eine Ausstellung kurioser Existenzen, bei denen man sich nie ganz sicher sein mag, ob unter anderem das Näfamo-Watte-Werk, das 1888 in den Besitz der Familie Schreber-Näfe übergegangen sein soll, real ist oder nie existierte. Denn bereits vor rund 100 Jahren beschloss Paul Schreber-Näfe, so kündet ein begleitender Text, die Fabrik in ein Wohnhaus umzubauen. Wie auch heute, lag schon damals der Teufel im Detail. Nicht die Umsetzung der Pläne zur Erweiterung des Gebäudes stellten das Problem dar. Die beiden Seitenflügel mit den 16 gleich großen Zimmern wurden nie vollständig genutzt, da die Familie nicht mehr als vier Köpfe zählte. Und so ließ Schreber-Näfe zur Minderung der Heizkosten die Zimmer zumauern. Ob in dieser Geschichte oder der von der Rennbahn Detlof Merck, in jedem der zwölf Porträts spiegeln Berichte und Bilder den Wahnsinn der Gegenwart und Realität wieder.
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