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Kleine vermasselten Großen das Geschäft

■ In diesem Jahr geringe Chancen für Firmen mit polnischen Vertragsarbeitern

Warschau (taz) – „Jetzt ernten wir die Früchte dieser Pseudodemokratie, die letztes Jahr eingerissen ist“, meckert Daniel Kownacki, Direktor für Dienstleistungsexporte des polnischen Baukonzerns Exbud in Kielce. Exbud gehört nicht nur zu den erfolgreichsten Betrieben in Polen, sondern auch zu den Marktführern, was Dienstleistungen im Ausland angeht. 70 Prozent der Exporte des an der Börse zugelassenen Bauriesen gehen nach Deutschland, wo Exbud Brücken, Bürogebäude, Fabriken und Industrieanlagen errichtet. Seit aber die deutschen Arbeitsämter im letzten August aufhörten, polnischen Firmen Arbeitsgenehmigungen auszustellen, hat die Branche in Polen einen Einbruch erlitten. Beim Warschauer Baukonzern Budimex beziffert man die Verluste auf 33 Millionen Mark.

Zu dem Vergabestopp war es gekommen, nachdem zahlreiche polnische Kleinfirmen in Deutschland aufgetaucht waren und mit in Deutschland illegalen, in Polen aber legalen Verleihgeschäften Schlagzeilen gemacht hatten. Vor allem wegen der niedrigen Löhne hatten sie den Unmut der Gewerkschaften erregt. Zwar sah das deutsch-polnische Abkommen für die insgesamt 35.000 polnischen ArbeitnehmerInnen gleiche Löhne wie für ihre deutschen KollegInnen vor. Aber viele Firmen umgingen den Vertrag, indem sie in die Löhne hohe Abzüge für Transport und Unterbringung einrechneten.

Hinzu kam, daß das polnische Außenhandelsministerium wahllos Lizenzen vergab. Direktor Kownacki: „Wer als Einmann- Firma ohne jede Erfahrung auf dem deutschen Markt auftauchte und einen Vertrag mit einem deutschen Partner vorlegte, hatte in der Regel keine Probleme, einen Stempel zu bekommen.“

Die Folge: Statt 35.000 arbeiteten bis zum Anwerbestopp über 50.000 PolInnen in Deutschland. Da die deutsche Seite nun den Überhang auf 1993 anrechnet, sind die Aussichten gering, daß bis Sommer 1993 überhaupt noch ein polnischer Betrieb eine Genehmigung erhält.

Daniel Kownacki kritisiert in diesem Zusammenhang vor allem das polnische Ministerium, das mit seiner liberalen Handhabe diese Lage heraufbeschworen habe. „Man hätte viel früher eingreifen und die Vergabe stoppen müssen, selbst auf die Gefahr hin, daß auch unser Betrieb darunter gelitten hätte“, meint er. Jetzt gingen die Aufträge an deutsche Firmen oder blieben liegen, prognostiziert Marek Kemnitz, für Deutschland zuständiger Direktor bei Budimex.

Zustimmung findet das polnische Außenhandelsministerium indessen bei Kownacki für seine Pläne, die Vergabepraxis an konkrete Kriterien wie Erfahrung und Solidität zu binden: „Es kann ja nicht in unserem Interesse liegen, daß dubiose Kleinfirmen mit ihren illegalen Praktiken unseren Ruf in Deutschland ruinieren“, stellt er fest. Der Kriterienkatalog wird zur Zeit noch im Ministerium erarbeitet und soll in den nächsten Tagen veröffentlicht werden. Klaus Bachmann

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