Kitas und Schulen im Lockdown: Böse Bescherung für die Eltern

Die Berliner Kitas laufen ab Mittwoch im Notbetrieb, SchülerInnen müssen zu Hause lernen. Kitas mit Appell an die „Verantwortung der Eltern“.

Notfalls wird das Kind eben auf dem elterlichen Arm betreut Foto: Christian Jungeblodt

BERLIN taz | Alle Eltern, mahnte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag eindringlich, mögen „in den nächsten beiden Tagen in sich gehen“: Ist man ab Mittwoch auf eine Notbetreuung in der Kita angewiesen oder kann man das Kind im kommenden „harten Lockdown“ auch irgendwie zu Hause betreuen? „Es geht um eine Notversorgung“, betonte Scheeres auf der Sondersitzung des Bildungsausschusses. „Wir wollen, wir müssen weg von einem Regelbetrieb.“

Damit vollzieht der Senat, was die Coronapolitik für Kitas angeht, eine saubere 180-Grad-Wende: Noch am Freitag hatte die Bildungsverwaltung betont, man wolle die Kitas im zweiten harten Lockdown seit Pandemiebeginn offen lassen. Doch bei der Bund-Länder-Schalte mit der Kanzlerin am Sonntag zu den Verschärfungen der Coronaregeln seien „die Kitas dann sehr stark Thema gewesen“, so Scheeres.

Auch die Schulen schließen am Mittwoch, zwei Tage vor dem regulären Beginn der Weihnachtsferien. Bis mindestens zum 10. Januar ist dann Homeschooling angesagt, eigentlich wäre die Schule am 4. Januar wieder losgegangen. „Das sind keine verlängerten Ferien“, betonte Scheeres am Montag – und befand, die Schulen seien auf die Woche Distanzlernen „gut vorbereitet“. Da habe sich seit dem Frühjahr „eine Menge getan“, viele Schulen hätten in Projektwochen digitale Konzepte ausprobiert. Die Gewerkschaft GEW kritisiert indes, es fehle noch immer vielerorts an technischer Ausstattung und schnellem Internet.

Astrid-Sabine Busse, Schulleiterin der Grundschule in der Köllnischen Heide und Vorsitzende der Interessenvertretung der Berliner Schulleitungen, hat eher die Zeit nach dem 10. Januar im Blick: „Die Woche im Distanzunterricht kriegen wir hin, die hatte sich ja schon abgezeichnet.“ Danach sei es aber wichtig, dass gerade GrundschülerInnen schnell wieder in die Schulen kämen, das habe man im ersten Lockdown gelernt.

In den Grundschulen wird es eine Notbetreuung geben. Für die Jahrgangsstufen 1 bis 3 von 7.30 Uhr bis 16 Uhr, für die Klassen 4 bis 6 von 8.30 Uhr bis 15 Uhr. Anspruchsberechtigt sind Eltern, die in Berufen der „Kategorie I“ arbeiten, etwa Polizei, Feuerwehr, der Gesundheitsbereich, Supermarktpersonal. Wenn ein Elternteil eine Homeoffice-Möglichkeit hat, gilt der Anspruch nicht.

Ab 10. Januar sollen die Schulen wieder öffnen. Liegt die Inzidenz noch immer bei über 200, sollen weiterführende Schulen Wechselunterricht anbieten können. (akl)

„Sorge mit Blick auf den Kinderschutz“ mache ihr auch die beengte Situation in vielen Familien, gerade über die ohnehin emotional aufgeladenen Festtage. Auch deshalb müssten die Schulen schnell wieder öffnen. In den Kitas klingt man, anders als im ersten Lockdown, relativ gelassen: Man habe im Frühjahr die Erfahrung gemacht, dass die Eltern „sehr verantwortungsvoll“ mit ihrem Betreuungsanspruch umgegangen seien, „darauf bauen wir auch jetzt wieder“, sagt Katrin Dorgeist, kaufmännische Geschäftsführerin bei den landeseigenen Kindergärten NordOst mit mehr als 10.000 Plätzen.

Keine „Systemrelevanz“ mehr

Eine Notbetreuung nach „systemrelevanten Berufen“ der Eltern soll es in den Kitas – anders als in den Grundschulen – diesmal nicht geben. Auch weil man laut Scheeres „bis zu 70 Prozent der Kinder in den Kitas hatte, weil immer mehr Berufe dazukamen“.

Bei den Kita-Trägern kommt das gut an, auch wenn man dann mit den Eltern eventuell mehr diskutieren muss. „Die Frage wäre ja auch: Wo würde man jetzt wieder anfangen, diese Liste zu verkleinern?“, meint Oliver Bürgel, Landesgeschäftsführer der Liga der Wohlfahrtsverbände.

Oliver Bürgel, Liga der Wohlfahrtsverbände

„Einen Regelbetrieb wird es ab dem 10. Januar nicht geben.“

„Die Kita-Leitungen brauchen da aber jetzt Rückendeckung von der Senatorin und auch vom Regierenden Bürgermeister“, betont Bürgel. Da müsse es einen „klaren moralischen Appell an die Eltern geben“. Von Scheeres kommt der am Montag prompt: Wenn man sehe, dass zu viele Eltern die Betreuung in Anspruch nehmen wollten, „werden wir wieder den Weg der Notbetreuungslisten gehen müssen“.

Unklar ist, wie es ab dem 10. Januar weitergeht. „Klar ist nur, dass es einen Regelbetrieb nicht geben wird“, sagt Oliver Bürgel. Die Liga fordert gemeinsam mit dem Dachverband der Berliner Kinder- und Schülerläden ein Angebot möglichst für alle Kinder bei reduzierten Betreuungszeiten.

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