Kinotipp der Woche: Unbeirrt im Film
Best of Forum: Mit vier Filmen aus Ost- und Südosteuropa gastiert das Arsenal mit einer Nachlese aus dem Berlinale Forum-Programm im Kino Krokodil.

Die Welt ist aus den Fugen. Der Dritte Weltkrieg droht und Fedor Ozerov würde gern eine der sinnvolleren Dinge tun, die man angesichts der Apokalyse machen kann: einen Song schreiben. Doch plötzlich ist der Pullover, in dem er seine Songs bislang geschrieben hat, verschwunden. Wenig später taucht er auf einem Profilfoto einer Datingapp wieder auf. Voll trockenem Humor, Absurdität und mit Fokus auf die wichtigen Dinge zeigt der belarussische Regisseur Yuri Semashko in „The Swan Song of Fedor Ozerov“ die Beharrlichkeit einer Generation junger Menschen aus Osteuropa, die gelernt hat, sich auch vom drohenden Weltuntergangs nicht beirren zu lassen.
Semashkos Langfilmdebüt wurde mit minimalem Budget im Exil in Polen gedreht, lief vor einigen Wochen im Programm des Forums auf der diesjährigen Berlinale und hat den Preis der Tagesspiegel-Leserjury gewonnen. Nun ist er Teil des traditionellen Nachspiels einer Auswahl von Forumsfilmen.
Doch weil das Kino Arsenal, Mutterschiff des Forums, aktuell noch im Wedding gebaut wird, erfährt die Tradition eine Modifikation: die vier Filme des Nachspiels am Samstag und Sonntag sind bei Freunden des Festivals untergekommen, dem Kino Krokodil. Der Fokus der Auswahl liegt auf Filmen aus Ost- und Südosteuropa.
Forum & Friends: Osteuropa-Nachlese. Arsenal on Location am 5. und 6. April im Kino Krokodil, Greifenhagener Str. 32
Den Auftakt der Reihe macht der neuste Film der Regielegende Želimir Žilnik. Im Mittelpunkt von „Restitucija, ili, San i java stare garde“ („Eighty Plus“) steht ein ehemaliger Musiker der Jazzband „Montenegro Five“ gegründet im Exil der 1960er Jahre. Heute über 80 spielt Stevan Arsin sein fiktionales Alter Ego Milan Kovačević im Kampf um die Rückerstattung des Hauses der Familie in Serbien. Kovačević und seine Ü80-Freunde stellen souverän die Geldgier und die Deals der jüngeren Generation bloß.
Tamara Stepanyan lässt in „Mes fantômes arméniens“ armenische Filmgeschichte Revue passieren. Als Tochter eines Schauspielers, der ab den 1970er Jahren Berühmtheit erlangt, ist das Kino im Leben Stepanyans seit der Kindheit dauerpräsent und die frühe Begegnung mit Film prägt später auch den Weg der Regisseurin.
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Am Sonntagnachmittag läuft noch einmal Vitaly Manskys großes Porträt seiner Heimatstadt L’viv im Zeichen der russischen Eskalation des Kriegs gegen die Ukraine seit Februar 2022. Zu sehen ist in „Time to the Target“ eine Stadt auf der Suche nach einem Leben inmitten des Kriegs und nach einem Umgang mit dem Sterben. Während der Friedhof mit den Ehrengräbern wächst, wandeln sich die Rituale und Formen des Trauerns.
Das Nachspiel von vier osteuropäischen Filmen aus dem Programm des diesjährigen Forums lädt dazu ein, Filme nachzuholen, die man während der Berlinale verpasst hat, und auf dem Festival Entdecktes mit Freund_innen zu teilen.
Hinweis: Unser Autor Fabian Tietke ist Teil der diesjährigen Auswahlkommission des Forums.
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