Kinder fragen, die taz anwortet: Warum müssen Kinder früh ins Bett?

Wir wollen von Kindern wissen, welche Fragen sie beschäftigen. Jede Woche beantworten wir eine davon. Diese Frage kommt von Elsa, zehn Jahre.

Ein Junge liegt mit einer Katze im Bett und reibt sich die Augen

Kann auch ganz gemütlich sein im Bett Foto: Cavan Images/images

Du bist sicher nicht die Einzige, die es unfair findet, dass sie früher schlafen muss als ihre Eltern, liebe Elsa. Auch ich habe mich, als ich so alt war wie du, oft mit meiner Mama über die Schlafenszeit gestritten – zum Beispiel wenn „Kevin allein zu Haus“ im Fernsehen lief und ich bei der ersten Werbepause ins Bett musste, meine ältere Schwester aber noch weiterschauen durfte. Ich weiß noch genau, wie sauer ich war und wie ausgeschlossen ich mich fühlte.

Dabei hat es einen guten Grund, dass Kinder früher ins Bett gehen als Erwachsene. „Der Schlafbedarf sinkt, je älter man wird“, sagt Thomas Erler, Chefarzt an der Kinderklinik Potsdam. Er forscht seit mehr als 20 Jahren zu Schlafproblemen bei Kindern und Jugendlichen.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im Wochenendabo. Und bei Facebook und Twitter.

Während Säuglinge einen Schlafbedarf von 14 bis 18 Stunden pro Tag haben, liegt er bei Erwachsenen nur noch bei sieben bis acht Stunden. Kinder in deinem Alter, liebe Elsa, schlafen dem Kinderarzt zufolge im Schnitt zehn Stunden täglich. Aber: „Es gibt auch Zehnjährige, die zwölf Stunden Schlaf pro Tag brauchen, andere hingegen kommen mit acht Stunden aus.“

Warum benötigen Kinder überhaupt mehr Schlaf als Erwachsene? „Weil sich Kinder noch in der Entwicklungs- und Wachstumsphase befinden“, erklärt Erler. „Das Wachstum wird durch das Wachstumshormon gesteuert – und dieses Hormon wird größtenteils im Tiefschlaf ausgeschüttet.“

Darüber hinaus sei Schlaf die Voraussetzung dafür, dass sich das Gehirn entwickelt. „Beim Schlafen vernetzen sich die Nervenzellen miteinander“, sagt Erler. Extrem ausgedrückt, könne man sagen: „Wenn man als Kind nicht schläft, bleibt man klein und dumm.“

Was aber, wenn einen die Eltern um 20 Uhr schlafen schicken, man aber noch gar nicht müde ist? „Dann verbindet man Schlafen mit etwas Negativem und das Einschlafen fällt automatisch schwerer“, erklärt Erler. Das könne zu Schlafstörungen führen.

Falls du dich abends noch ewig im Bett langweilst, Elsa, rät der Kinderarzt dir, sechs Wochen ein Schlaftagebuch zu führen. Schreibe auf, wann du ins Bett gegangen, in etwa eingeschlafen und wann du aufgewacht bist. Notiere auch, ob du tagsüber müde warst. Am Ende addierst du die Schlafdauer und teilst sie durch die Anzahl der Tage. Heraus kommt dein persönlicher Schlafbedarf. Das Tagebuch überzeugt bestimmt auch deine Eltern!

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de