piwik no script img

Keine Werbung?

■ „Mischfinanzierung“ infrage gestellt

Bonn (taz) – Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Manfred Buchwald, stellte am Dienstag in Bonn vorsichtig die öffentlich- rechtliche Mischfinanzierung infrage. 1993 wird die ARD erneut 300 Millionen Mark an Werbeeinnahmen einbüßen. Der angepeilte 80:20-Mix aus Gebühren und Werbung hat sich inzwischen zu einem Verhältnis von 92:8 verschoben. Gebührenerhöhungen sind an die Zustimmung der Bundesländer gebunden, wodurch der öffentlich- rechtliche Rundfunk „in dubiose Pflichten“ genommen sei, erklärte Buchwald. Der SR-Chef fordert deshalb die „parteipolitische Neutralisierung“ der Gebührenerhöhungen. Er würde die Gebühren gerne parallel zu Inflationsrate oder Bruttosozialprodukt steigen sehen. Ein entsprechendes Signal erhofft sich Manfred Buchwald vom Bundesverfassungsgericht, das sich 1993 mit dem Thema beschäftigen wird. Zusätzlich zu dieser dynamischen Erhöhung fordert der Intendant „Sonderzuschläge“, etwa für technologische Neuentwicklungen. Solche Zuschläge sollten weiterhin von den Landtagen beschlossen werden. Gebe es einen solchen Finanzierungsrahmen, so Buchwald, „dann brauchen wir die Werbung nicht mehr“. Doch bislang ist die Mischfinanzierung gesetzlich festgeschrieben.

Gleichzeitig betont ein vom SR in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten die Pflicht des Staates, per Gebühren eine „angemessene und funktionsgerechte Finanzierung der unerläßlichen Grundversorgung“ von ARD und ZDF zu sichern. Das Gutachten stützt auch den oft angegriffenen Finanzausgleich innerhalb der ARD. Dieser Ausgleich ist danach kein „Gnadenbrot der reichen Anstaltsvettern“, sondern verfassungsrechtliche Verpflichtung. C. Heinzle

Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen