: Keine Autoschlangen im Tiergarten
■ Mit einer »vorläufigen Unterschutzstellung« will AL-Umweltsenatorin Michaele Schreyer den Tiergarten vor den Straßenbauplänen ihrer Senatskollegen schützen
Tiergarten. Mit ihrem Coup, den Tiergarten unter Schutz zu stellen, hat die AL-nahe Umweltsenatorin Michaele Schreyer einen dicken Strich durch die Straßenausbaupläne ihres SPD-Senatskollegen Wagner gezogen. Schreyers Sprecher Stefan Klinski mochte gegenüber der taz den politischen Konflikt auch gar nicht wegdiskutieren: »Es gibt nun mal einen Streit, wie die Berliner Mitte sich weiterentwickeln soll.« Sowohl Wagner als auch Verkehrsstadtrat Thurmann hatten zu erkennen gegeben, daß sie sehr schnell eine Umgehungsstraße um das Brandenburger Tor bauen lassen wollten, außerdem ist schon länger eine Untertunnelung des Tiergartens im Gespräch. Das alles ist nun ohne Genehmigung der Umweltsenatorin, die gleichzeitig oberste Denkmalschützerin ist, unmöglich geworden. Und: Auch ein möglicher CDU-Nachfolger in ihrem Amt könnte den auf ein halbes Jahr beschränkten Eilerlaß auf »vorläufige Unterschutzstellung« nicht mehr aufheben.
Innerhalb des gleichen Zeitraums soll dieser älteste Berliner Park nach den Plänen ihres Amtes historisch rekonstruiert werden. Der heute 200 Hektar umfassende Park wurde bereits im Jahre 1527 urkundlich erwähnt: als Wildgarten für den Kurfürsten Joachim. Im 19. Jahrhundert ließ ihn Gartenbaumeister Lenné zu einem englischen Landschaftspark umbauen — die jetzige Umgestaltung folgt jenen alten Skizzen. Aus diesen Gründen könne es eigentlich von niemandem bestritten werden, so Schreyers Sprecher weiter, daß der Tiergarten unter Denkmalschutz gestellt werden müsse. Ein förmlicher Akt sei in der Vergangenheit nicht nötig gewesen, weil keine Veränderungspläne laut wurden. Nun aber drohe dem Volkspark, »angeknabbert« und im Autoverkehr erstickt zu werden. usche
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