Kampf gegen Boko Haram

Betteln in Nigeria verboten

In Maiduguri in Nigerias Boko-Haram-Kriegsgebiet ist Betteln auf der Straße aus Sicherheitsgründen verboten. Bettler sollen Kredite aufnehmen.

Bettler auf der Straße

Gilt jetzt als Sicherheitsrisiko: Bettler im Norden von Nigeria Foto: reuters

ABUJA taz | Betteln verboten: Ausgerechnet in Maiduguri, die zwei Millionen Einwohner zählende Hauptstadt des nordostnigerianischen Bundesstaates Borno und von mittellosen Flüchtlingen des seit Jahren andauernden Krieges zwischen der Armee und der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram überlaufen, darf ab sofort nicht mehr auf der Straße gebettelt werden.

Ein entsprechendes Gesetz trat am Montag in Kraft. „Jeder, den dieses Gesetz aufspürt, wird verhaftet und angeklagt“, erklärte Bornos Polizeisprecher Usman Sadiq Usmobik.

Das Gesetz verbietet im Bundesstaat Borno das städtische Betteln an Verkehrsknotenpunkten wie Kreisverkehren, Kreuzungen und Ampeln, wo sich wartende Autos stauen – und Elendsgestalten an den Autofenstern die Hand aufhalten.

„Der Polizeikommissar warnt hiermit diejenigen, die sich an diesen dreisten Handlungen der Belästigung der Öffentlichkeit beteiligen und damit die relevanten Paragrafen des Strafgesetzes und anderer existierender Gesetze brechen, dass sie fortan davon Abstand nehmen müssen oder die Härte des Gesetzes zu spüren bekommen“, führte Usmobik aus. „Das Polizeikommando wird nicht die Arme verschränken und zuschauen, wie skrupellose Elemente den hart verdienten Frieden und die Sicherheit des Staates in Gefahr bringen.“

Oft müssen Kinder betteln

Eltern seien „aufgerufen, „ihre Kinder zu kontrollieren und zu überwachen, oder sie werden mit dem Zorn des Gesetzes konfrontiert.“ Es gebe keinen Grund mehr zu betteln, da Bornos Provinzregierung neuerdings Jugendlichen und Armen Kredite von 30.000 Naira (65 Euro) zur Unternehmungsgründung anbiete.

Tatsächlich sind es zumeist Kinder, die zum Betteln auf die Straße geschickt werden. In Nigeria gibt es über eine Million Waisenkinder, zumindest als Ergebnis bewaffneter Konflikte, und 13 Millionen Kinder gehen nicht zur Schule – mehr als in jedem anderen Land der Welt.

In vergangenen Jahren ist in Nigeria mehrfach davor gewarnt worden, dass bettelnde Straßenkinder in Gefahr stehen, von Boko Haram angelockt und rekrutiert zu werden. Borno ist der Bundesstaat, in dem Boko Haram am aktivsten ist.

Die Behörden sagen, dass Betteln Frauen und Kinder dem Risiko der Verschleppung und des Menschenhandels aussetze. In Nigerias größter Stadt Lagos mit 22 Millionen Einwohnern ist Betteln auf der Straße bereits illegal und kann mit Geldbußen von 15.000 Naira (37 Euro) und bis zu drei Monaten Haft bestraft werden.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de