KOMMENTAR STRAFVERTEIDIGERRECHTE : Schuss vor den Bug
Die politische Staatsanwaltschaft versucht einen linken Anwalt einzuschüchtern. Er hatte ihr in zahlreichen Prozessen Paroli geboten.
E s klingt wie eine Groteske, doch der Hintergrund ist ernst. Da legt ein Anwalt zur Verteidigung seines Mandanten ein Teil eines wichtigen und relevanten Beweisstückes vor und wird vom Vertreter der Staatsschutzabteilung Hamburg mit der Keule eines Strafverfahren überzogen. Wenn Anwalt Beuth mit einem scharfen Signalgeber im Gerichtssaal hantiert hätte, wäre ein gewisser Unmut verständlich, obwohl jeder Bergsteiger und Segler unbekümmert solche Geräte bei sich tragen darf - und irgendwie müssen die ja auf Berg oder Boot kommen.
Nein: Hier ist die Intention offensichtlich - hier soll einem renommierten, unbequemen, linken Strafverteidiger, der seit mehr als 20 Jahren den politischen Staatsanwaltschaften im Norden Paroli bietet, ein Schuss vor den Bug gesetzt werden. Erst kürzlich konnte er den Freispruch für einen Bewohner des Hamburger Schanzenviertels erreichen, der angeklagt war, bei einem Schanzenfest 13 Polizisten durch Pfefferspray verletzt zu haben. Vor Gericht konnte er penibel herausarbeiten, dass die zivilen Tatbeobachter die Unwahrheit gesagt haben - sehr zum Missfallen der Ankläger.
Hoffnungsvoll ist, dass die gesamte Hamburger Anwaltschaft aufschreit - bei Advokaten ist das nicht immer der Fall. Und da sollte sich die neue SPD-Justizsenatorin Jana Schiedek, die Weisungsbefugnis über Anklagebehörde besitzt, überlegen, ob sie so einen Skandal zum Einstand nicht vom Tisch haben möchte.
Umverteilung gegen rechts
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert