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K O M M E N T A R Ostergefühle

■ Friedensbewegung hat ihre politische Kraft aufgegeben

Wie sollen wir uns jedes Jahr etwas Neues einfallen lassen! Atombomben, chemische Kampfwaffen und die auf die Höhe unserer Zeit gebrachten „traditionellen“ Tötungsinstrumente sind dieselben geblieben. Die Ostermärsche sind eine gute Tradition, wir freuen uns, wenn die Sonne scheint und viele Kinder mitgebracht werden und wenn eine Rednerin wie Dorothee Sölle es schafft, das nochmal in Worte zu kleiden, was wir alle eigentlich im letzten Jahr schon empfunden haben.

Aber: Die Sowjetunion hat mit der von der Friedensbewegung seit Jahren geforderten „einseitigen Abrüstung“ ausgerechnet im Kontext einer Politik begonnen, die die letzten Eigenheiten „sozialistischer“ Wirtschaftsorganisation aufgibt. War das den FriedensforscherInnen Anlaß für ein paar Aufsätze? Oder: Will die Friedensbewegung Einfluß darauf nehmen, wie eine „bessere Regierung in Bonn“ auf die neue Ost-West-Situation reagieren könnte? Solange es kein Ringen um ein Konzept gibt, das in der Friedensbewegung konsensfähig werden könnte und dadurch ein innergesellschaftlicher Machtfaktor, bleibt mit Dorothee Sölle nur das Hoffen auf die „bessere Regierung in Bonn“ und die eigene Kraft eine hohle Osterphrase. Klaus Wolschne

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