Journalistin in Syrien verschwunden: Wo ist Eva Maria Michelmann?
Im Januar wurde die Kölner Journalistin in Syrien festgenommen. Seitdem fehlt von ihr jede Spur. Das Auswärtige Amt äußert sich nur vage zu dem Fall.
Weiterhin fehlt von der Journalistin Eva Maria Michelmann jede Spur. Während einer Offensive der syrischen Armee soll die 36-jährige Kölnerin im Januar von Regierungstruppen und verbündeten islamistischen Milizen festgenommen und abtransportiert worden sein. Seitdem ist ihr Verbleib unbekannt. Das Auswärtige Amt äußert sich bislang nur sehr schmallippig zu dem Fall.
Die zuständigen Stellen in der Bundesregierung seien mit dem „geschilderten Sachverhalt befasst und stehen dazu mit den syrischen Stellen in Kontakt“, antwortete es jetzt auf ein Schreiben der Linken-Abgeordneten Bodo Ramelow und Cansu Özdemir. Darin hatten sie Außenminister Johann Wadephul eindringlich darum gebeten, sich bei der syrischen Regierung „mit Nachdruck nach dem Verbleib der Journalistin zu erkundigen und auf rasche Aufklärung zu drängen“. Sie seien „ebenso wie die Angehörigen sowie die journalistischen Kolleginnen und Kollegen in großer Sorge um Frau Michelmann“, schrieben Ramelow und Özdemir.
Die Antwort des Auswärtigen Amts bleibt vage. „Wir sind intensiv um Aufklärung bemüht“, heißt es darin nur. „Weiteren Ausführungen hierzu steht der Schutz der Persönlichkeitsrechte Dritter entgegen.“
Enttäuscht von der Antwort zeigt sich Antonius Michelmann, der Bruder der verschwundenen Journalistin. „Wir fragen uns, was denn nun die Ergebnisse der Bemühungen des Auswärtigen Amtes in den mehr als 60 Tagen seit der Verschleppung meiner Schwester sind“, sagte er der taz. Er verwies auf die engen Beziehungen der Bundesregierung, der EU-Kommission und auch der UNO zur syrischen Übergangsregierung. Da könne es „doch nicht sein, dass wir weiterhin keine einzige neue Information über das Schicksal meiner Schwester haben“.
Michelmann lebte seit vier Jahren in den kurdischen Gebieten Syriens
Auch der Rechtsanwalt Roland Meister, der die Angehörigen von Eva Maria Michelmann juristisch vertritt, zeigte sich gegenüber der taz unzufrieden mit der Antwort des Auswärtigen Amtes. „Wir erwarten, dass seitens der Bundesregierung deutlich gemacht wird, dass das Verschwindenlassen einer deutschen Journalistin unter keinem Gesichtspunkt hingenommen wird“, sagte Meister.
Eva Maria Michelmann lebte seit vier Jahren in den kurdischen Autonomiegebieten im Nordosten Syriens. Sie hat dort für kurdische Medien und auch die linke türkische Nachrichtenagentur ETHA gearbeitet, für die sie regelmäßig Beiträge schrieb. Ihren letzten Artikel veröffentlichte ETHA am 15. Januar.
Als syrische Regierungstruppen am 18. Januar die zu dieser Zeit noch von kurdischen Kräften kontrollierte Stadt Rakka angriffen, suchten laut Zeugenaussagen Michelmann und der türkisch-kurdische Journalist Ahmed Polad gemeinsam mit anderen Zivilist:innen Schutz in einem kurdischen Jugendzentrum. Zum letzten Mal wurden die beiden gesehen, als Soldaten und Milizionäre des islamistischen Bündnisses HTS (Hajat Tahrir al-Scham) sie in ein Fahrzeug der syrischen Regierungseinheiten verladen hätten. Seitdem gelten Michelmann und Polad als vermisst.
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