: „Jetzt reicht's, ich mach Schluß“
■ Handball: Reinickendorfer Füchse versuchen Neuanfang im Jahr 2 nach Immobilienmarkler Willi Bendzko
S P O R T - B U L E T T E N
Wunder haben an der Spree die simpelsten Ursachen. Nur weil sein Sohn in der Reserve der Reinickendorfer Füchse Handball spielte, betätigte sich der Immobilienmakler Willi Bendzko als Wundertäter. Über Nacht - und mit enormen Geldmitteln, über die heute niemand mehr reden will - hievte er den Verein ins Rampenlicht. In der Saison 81/82 errangen die Füchse als Bundesliganovizen auf Anhieb Platz drei und dribbelten ein Jahr danach sogar ins Endspiel um den internationalen IHF-Pokal. Wohlklingende Namen hatte Bendzko in die Stadt gelockt. Siebenmeter-Spezialisten, Nationalspieler und einige Berliner Nachwuchskräfte bildeten das Team.
Doch bald bröckelte der Putz in Bendzkos Fuchsbau. Und der immobile Mäzen geriet sportlich ins Schleudern. Trotz unverminderten Geldeinsatzes blieb sein Traum von der Deutschen Meisterschaft sein ureigenes Trauma. Im Frühjahr 1986, neun Spieltage vor Bundesligaschluß, erklärte Bendzko sein Engagement für beendet.
„Natürlich waren wir baff“, schildert Peter Lorentz, der die Vereinsgeschicke nach Bendzkos Ausstieg übernahm, die damalige Stimmung in der Höhle des Baulöwen am Ku-Damm. Von heute auf morgen war der Höhenflug der Füchse beendet. Fortan stieg die zwangsläufig umformierte Mannschaft, von allen Stars entsorgt, jedes Jahr eine Klasse tiefer. Sie spielt nun in der Berliner Regionalliga. „Die damalige Vereinsführung“, moniert Lorentz, „hatte es versäumt, Bendzkos Tätigkeit vertraglich festzulegen. Bendzko hatte das Sagen. Er bestimmte, welche Spieler geholt werden sollten - aber er konnte auch von einer Minute auf die andere sagen: Jetzt reicht's, ich höre auf.“
Noch heute müssen die Handballer für den irrigen Glauben des Maklers geradestehen, mit teurem Geld könne der Titel käuflich erworben werden. Lorentz: „In der Praxis bedeutet dies, daß heute keine Handgelder mehr fließen. Nach dem Spiel gehen wir zusammen essen - damit hat es sich!“ Wie auch andere gebrannte Sponsorenkinder der Stadt, setzt Lorentz‘ Nachfolger im Amt, der vom Nationalaußen zum Rechtsanwalt avancierte Klaus Kuhnigk auf die Berliner Linie: Heimatverbundene Talente mit seriösem Vereinsmanagement sollen wieder einen Platz an der Sonne sichern.
Jürgen Schulz
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