: Jaruzelskis Alibi durch Jelzin gekippt
Noch 1992 konnte Polens Ex-General Wojciech Jaruzelski das von ihm verhängte Kriegsrecht als Rettung vor der Roten Armee verkaufen. In seinen Memoiren behauptet er, nur die Sorge, die neue Gewerkschaft Solidarność könnte Polens Austritt aus dem Warschauer Vertrag betreiben, und die Gefahr, sowjetische Truppen könnten intervenieren, hätten ihn zu diesem Schritt bewegt. Nun belegen die Dokumente, die Boris Jelzin letzte Woche dem polnischen Präsidenten Lech Walesa mitbrachte, daß die damaligen Mitglieder des Moskauer Politbüros nie daran gedacht haben, in Polen einzumarschieren. Der damalige sowjetische Außenminister Andrej Gromyko, so ein Auszug aus dem Protokoll der Politbürositzung vom 10. Dezember 1981, behauptete, daß „von einem Einmarsch in Polen überhaupt keine Rede sein“ könne. Der spätere Präsident Jaruzelski lud nach den Veröffentlichungen vom Wochenende in- und ausländische Journalisten zum Gespräch ein. Für ihn, rechtfertigte sich Jaruzelski gegenüber unserem Korrespondenten in Warschau, habe an den feindseligen Absichten der sowjetischen Führung damals kein Zweifel bestanden. Seite 3
Fotos: Gunther Fischer/Krysztof Pawela
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