Italien bei Olympia 2021: IOC droht Parlament
Der Streit über ein Sportgesetz eskaliert. Nun könnten italienische SportlerInnen bei Olympia 2021 nur als unabhängige AthletInnen antreten.
Ende Januar will das Internationale Olympische Komitee (IOC) darüber entscheiden, ob italienische SportlerInnen im Juli als „squadra azzurra“ zu den Sommerspielen nach Tokio reisen dürfen oder ob sie ohne Hymne und Fahne vertreten sein werden. In italienischen Medien wird auch darüber spekuliert, dass dann die Akkreditierungen für Funktionäre und Journalisten ungültig würden.
Dem IOC stößt ein Gesetz übel auf, das vom italienischen Parlament 2018 verabschiedet wurde. Danach wird eine staatliche Behörde namens „Sport e Salute“, Sport und Gesundheit, geschaffen, die die staatlichen Gelder an die nationalen Verbände verteilen soll. Im Jahr 2020 betrug der Etat 280 Millionen Euro. Bislang werden diese Gelder von Italiens Nationalem Olympischen Komitee (Coni) verteilt.
Seit zwei Jahren schwelt der Streit. Eine erste Verschärfung trat im September ein, als IOC-Präsident Thomas Bach sich „sehr besorgt über die Situation und die Funktionsweise des Coni“ geäußert hatte. Im IOC hält man das Gesetz für eine unerlaubte Einmischung der Politik in die Autonomie des Sports, einen Verstoß gegen die „Olympische Charta“.
„Das Risiko ist sehr groß“
Nun warnte Coni-Präsident Giovanni Malagò: „Das Risiko, ohne Hymne und Flagge nach Tokio zu fahren, ist sehr groß.“ Das IOC lässt die Muskeln spielen, ein Sprecher sagte, man habe doch alles „der italienischen Regierung bei vielen Gelegenheiten deutlich mitgeteilt“. Das IOC dürfte sich auch deswegen in einer starken Position sehen, weil 2026 in Mailand und Cortina d’Ampezzo die Olympischen Winterspiele stattfinden. Ob die Sportstätten wirklich genügen, daran waren zuletzt immer wieder Zweifel zu hören.
Italiens Sportminister Vincenzo Spadafora hat bislang stets damit argumentiert, das Gesetz wahre die Autonomie des Sports. Im September hatte er noch gesagt, das IOC solle sich lieber um die Situation in Belarus kümmern. Nun sind Andeutungen zu hören, dass man das Gesetz nachträglich noch verändern möchte.
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