Ikea: Elchtest an der Autobahn

Ein Konsumzentrum mit drei Märkten will der schwedische Konzern im Norden Lübecks errichten. City-Handel und Umlandstädte befürchten Verdrängungswettbewerb.

"Innenstadtrelevante Sortimente": Ikeas Pläne wecken Existenzängste in und um Lübeck. Bild: dpa

"Wir sind für Ikea", sagt Can Özren. Aber das Vorhaben müsse "verträglich für die Innenstadt sein", stellt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Lübeck klar. Einen "Verdrängungswettbewerb" dürfe es nicht geben. Eben den aber fürchten die Einzelhändler in der Hansestadt Lübeck ebenso wie die Bürgermeister von 29 Städten und Gemeinden im Umland. Dort könnten "bis zu 1.000 Arbeitsplätze verloren gehen", fürchtet Uwe Muchow vom Gewerbeverband Neustadt (Holstein), wenn das Möbelhaus mit dem Elch in Lübeck baue.

Direkt am Autobahndreieck Bad Schwartau will Ikea auf 60.000 Quadratmetern ein Konsumzentrum errichten. Eines der gewohnten blau-gelben Einrichtungshäuser soll dort entstehen, ein Baumarkt und ein 25.000 Quadratmeter großes Scandinavian Center für Produkte aus Nordeuropa, 400 Arbeitsplätze würden geschaffen.

"Mode, Sport, Outdoor", schwebt Ikea-Sprecherin Simone Settergren vor, dazu Unterhaltungselektronik, Spielwaren oder Lebensmittel. Ortsansässige Händler könnten dort Filialen eröffnen: "Wir sind offen für Kooperation", versichert Settergren. "So viele skandinavische Marken gibt es gar nicht. Das wird ein ganz normales Einkaufszentrum mit mehr Verkaufsfläche, als sie ganz Bad Schwartau zu bieten hat", sagt Andreas Joslyn von der Projektgruppe Einzelhandel im Lübeck Management.

Und deshalb wehren sich Lübecks Nachbarn, vor allem die Marmeladenstadt Bad Schwartau und die Kreisstädte Bad Oldesloe, Bad Segeberg, Ratzeburg und Eutin, gegen das Projekt in einem brachliegenden Industriegebiet im Norden der Hansestadt. Sie befürchten, dass Ikea Kunden und damit Umsätze aus ihren Geschäften abziehen könnte. "Eine verträgliche und mit der Region abgestimmte Entwicklung, die der Verödung der Zentren entgegenwirkt", fordert deshalb die Lübecker IHK. Es sei erforderlich, "die in Rede stehenden innenstadtrelevanten Sortimente deutlich zu reduzieren".

Ein in städtischem Auftrag erstelltes Gutachten hat jedoch ergeben, dass die Ansiedlung verträglich sei. Es empfiehlt lediglich eine Reduzierung der Verkaufsfläche um 5.000 Quadratmeter. Der Einzelhandelsverband hingegen spricht von einem von Ikea bezahlten "gekauften Gutachten", und verlangt eine unabhängige Expertise.

Settergren hebt lieber "die Strahlkraft" des 120 Millionen Euro teuren Projekts hervor: "Ikea sorgt überall für eine hohe Kundenfrequenz". Mit einem Planbeschluss rechnet sie in einem Jahr, mit der Eröffnung im Herbst 2012: "Das ist eher eine Chance für das Umland."

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