: Hungerstreik gegen rechte Gewalt
■ In der Dahlemer St.-Ann-Kirche wollen zehn Deutsche und EinwanderInnen eine Woche lang ein „letztes Signal“ setzen
Um „dem bedrohlich anwachsenden rechtsradikalen Gewaltpotential ein entschiedenes, gewaltfreies Zeichen entgegenzusetzen“, hat gestern eine Gruppe von etwa zehn EinwanderInnen und Deutschen mit einem einwöchigen Hungerstreik in den Räumen der St.-Ann-Kirche in Dahlem begonnen. „Organisationen und Parteien, die Volksverhetzung betreiben, müssen sofort verboten werden“, fordert die „Aktionsgruppe gegen Gewalt und Rassismus“ in einer Erklärung. Die Verbote müßten durch umfassende Beobachtung der rechtsradikalen Szene wirksam umgesetzt werden.
Die deutsche Gesellschaft sei von einer kollektiven Ablehnung gegenüber Ausländern geprägt, sagte Sprecherin Pervin Tongay gegenüber der Presse. „An diesem Gedankengut muß sich grundlegend etwas ändern.“ EinwanderInnen seien zunehmend sowohl institutionellem als auch offenem Rassismus ausgesetzt.
Weitere Forderungen der Gruppe sind die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft, das kommunale Wahlrecht auch für Nicht-EG-BürgerInnen, eine Liberalisierung des Ausländerrechts, menschenwürdige Asylverfahren und die Verabschiedung eines Antidiskriminierungsgesetzes.
„Eine passive Trauerhaltung angesichts der Übergriffe reicht nicht aus“, sagte Elif Dilmac von der Aktionsgruppe. Die Bevölkerung sei dazu eingeladen, die Gruppe in der Kirche zu besuchen, um zu diskutieren oder „sich zu uns zu setzen und mitzumachen, und sei es nur für einen Tag“. Die Hungernden verstehen ihre Aktion als ein „letztes Signal“. Die Kirchengemeinde unterstützt den Protest, wie Jenny Wagner vom Gemeinderat unterstrich: „Wir freuen uns, daß ihr da seid.“
Der Hungerstreik wird von mehreren Veranstaltungen begleitet. So findet morgen abend eine Podiumsdiskussion mit VertreterInnen aller Parteien statt, Sonntag abend werden Asylbewerber aus Angola und Zaire zu Gast sein. ujo
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