Homophober Begriff in Pressemitteilung

Polizei will „sensibler formulieren“

Seit Jahren kritisieren schwul-lesbische Verbände den Begriff „Homosexuellen-Milieu“. Die Kölner Polizei will jetzt auf den Begriff verzichten.

Zwei Männer sind vin hinten zu sehen, sie tragen T-Shirts mit der Aufschrift "Rainbow Cops Belgium"

Ob diese belgischen Polizisten wohl zum vermeintlichen „Homosexuellen-Milieu“ zählen? Foto: dpa

BERLIN taz | Die Kölner Polizei hat sich nach jahrelanger Kritik entschieden, den Begriff „Homosexuellen-Milieu“ nicht mehr zu verwenden. Die Kölner Dienststelle ist damit die erste, die sich öffentlich gegen den Begriff ausspricht. Dies berichtet das LGBT-Onlinemagazin queer.de. LGBT-Verbände prangerten das Wort immer wieder als diskriminierend an.

Auch die anderen Polizei-Pressestellen in Nordrhein-Westfalen sollen überzeugt werden, den Begriff zu meiden, erklärt der Sprecher der Kölner Polizei, Thomas Held, gegenüber queer.de: „Wir wollen in Zukunft sensibler formulieren.“ Dass einige Medien Teile ihrer Pressemitteilung wortwörtlich übernahmen, habe gezeigt, „wie groß die Verantwortung der Polizei sei, solche Aufrufe korrekt zu formulieren.“ Zuvor hatte der Bund Lesbischer & Schwuler JournalistInnen (BLSJ) Pressemitteilungen der Polizei zu einem Raubmordfall in Köln kritisiert.

„Wir wünschen der Polizei einen raschen Fahndungserfolg – sind aber der Meinung, dass eine konkrete Benennung der Umstände dabei mehr helfen könnte als der diskriminierende, verschwurbelte und falsche Begriff Homosexuellen-Milieu“, teilte der BLSJ-Vorsitzende Axel Bach im Februar mit.

Der BLSJ dokumentiert seit der Ermordung des Modedesigners Rudolph Mooshammer im Jahr 2005 die Verwendung des Begriffs durch Medien, Nachrichtenagenturen und Polizeipressestellen. Auch der Lesben- und Schwulenverband LSVD kritisierte damals in einer Beschwerde an den Presserat die Verwendung des Begriffs, durch den „eine ganze Bevölkerungsgruppe in die Nähe von Kriminalität gerückt“ werde.

„Kollektive Verunglimpfung“

Für das schwul-lesbische Journalistennetzwerk BLSJ zementieren „solche Phrasen unbewusst Klischees über Homosexuelle, die damit kollektiv verunglimpft werden.“ Das wichtigste Argument: Ein Gegenbegriff wie „Heterosexuellen-Milieu“ existiere nicht, auch würde niemand von einer „Gewalttat im Lehrermilieu“ sprechen. Es gibt jedoch tatsächlich eine „Szene“ oder „Subkultur“, in der sich hauptsächlich Schwule, Lesben und Bisexuelle bewegen. Diese sind allerdings grundsätzlich in jedem „Milieu“ zu finden. Nach Ansicht des BLSJ verunglimpft der Begriff „Homosexuelle kollektiv, ganz so, als wären Lesben und Schwule wie Kriminelle in einer Art Rotlichtviertel organisiert.“

In der Broschüre „Schöner schreiben über Lesben und Schwule“ macht der BLSJ konkrete Gegenvorschläge. Statt über einen „Mord im Homosexuellen-Milieu“ zu berichten, könnte die Schlagzeile auch „Schwuler Mann ermordet“ lauten – falls das Schwulsein dabei eine Rolle spielte. „Ein Mann aus dem Homosexuellen-Milieu“ sollte einfach als „ein Schwuler“ beschrieben werden.

.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de