Hertha BSC: Auftritt zum Abstieg
Kommentar
Das hat noch gefehlt: Zum Heimspiel-Auftakt von Hertha BSC gegen Meister VfB Stuttgart soll es kein Bier geben, weil zwischen Verein und Stadionbetreiber ein Krach um die Ausschankrechte tobt? Da schäumt der Berliner Fußballfan doch regelrecht vor Wut. Denn ganz "trocken" lässt sich Hertha BSC derzeit kaum ertragen - schon gar nicht nach der sicheren Klatsche heute gegen den VfB.
Nüchtern betrachtet, ist Hertha BSC augenblicklich kaum weniger als eine Zumutung - und das vor dem ersten Anpfiff im Olympiastadion. Man darf sich an der Vereinsspitze also nicht wundern, wenn das Berliner Publikum, das seit Wochen auf eine Geduldsprobe gestellt wird, zur Premiere nicht mehr euphorisch erscheint. Seit über einem halben Jahr hat Hertha kein Heimspiel mehr gewonnen. Die Vorbereitung war ein Desaster, der Start wurde mit einer Pleite gegen Frankfurt verkorkst. Es ist offensichtlich, dass da unten auf dem Rasen des Olympiastadions in dieser Saison ein Abstiegskandidat spielen wird. Das frustriert.
Dass Manager Dieter Hoeneß noch immer kein Konzept für einen belastbaren Kader auf den Tisch gelegt hat, grenzt schon an groben Unfug. Während andere Vereine und Mannschaften sich zum Saisonauftakt einspielen, denkt man bei Hertha noch an Verkäufe. Es gibt keinen Sturm und keinen Lenker im Mittelfeld. Zu spät hat sich der Klub auf dem Transfermarkt umgesehen, jetzt bietet dieser nur noch zweite Wahl. Das Ergebnis ist: In die Startelf heute muss Trainer Lucien Favre sieben Bundesliga-Greenhorns stecken. Und wenn die Not am größten ist, kommt auch noch Verletzungspech in Form von fünf Ausfällen im Team dazu. Das schwächt zudem. Der VfB darf sich freuen, er wird die Kirschen kriegen. Es sei denn, Hoeneß spielt selbst.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert