: Heftige Gefechte im Flüchtlingslager
Anhaltende Kritik an Israels Militäraktionen: Prodi schließt Folgen für Handelsabkommen mit der EU nicht aus
JERUSALEM/BRÜSSEL dpa/afp/rtr ■ Im Flüchtlingslager von Dschenin im Westjordanland haben gestern schwere Gefechte zwischen der israelischen Armee und bewaffneten Palästinensern stattgefunden. Nach Angaben des israelischen Rundfunks kamen dabei zwei Soldaten ums Leben. Wie Ärzte berichteten, wurden zwischen 100 und 200 Palästinenser getötet. Diese Informationen konnten zunächst nicht bestätigt werden, da das Lager abgesperrt war.
Das gilt auch für die Aussage von Palästinensern gegenüber Nachrichtenagenturen, nach denen die israelische Armee das Lager mit 25 bis 30 Raketen beschossen habe. Laut Augenzeugen hatte die Armee die Bevölkerung zuvor aufgefordert, ihre Häuser zu verlassen und sich auf dem zentralen Platz zu versammeln. Zudem seien Bewaffnete ultimativ aufgefordert worden, sich zu ergeben. In der Stadt Nablus legten nach Angaben der Armee rund hundert Kämpfer in der Altstadt ihre Waffen nieder. Auch dort hatten sich beide Seiten heftige Gefechte geliefert.
Die internationale Kritik am Vorgehen der israelischen Armee ging gestern weiter. UN-Generalsekretär Kofi Annan forderte Israel auf, seine Militäraktionen in den palästinensischen Gebieten zu beenden. Auch EU-Kommissionspräsident Romano Prodi forderte einen Rückzug der Armee und schloss Folgen für das Handelsabkommen der EU mit Israel nicht mehr aus.
Falls sich die Lage nicht bessere, könnte die Kommission Israel zu einer vorgezogenen Sitzung des Assoziationsrates auffordern, um Folgen der aktuellen Situation für das Abkommen zu diskutieren, sagte Prodi gestern in Brüssel auf eine entsprechende Frage. „Falls wir Maßnahmen ergreifen müssen, müssen wir zunächst mit Israel sprechen.“ Die nächste Sitzung des Assoziationsrates steht regulär im Dezember an.
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