■ Harry Nutt sieht fliegende Helden:: Nagano nachts, wenn alles schläft (live)
Nicht zuviel Druck auf den Außenski geben, dachte es in mir, als ich den Fuß neben das Bett setzte, um kurz nach 3 Uhr morgens zum Fernseher zu wanken. Für Hermann Maier, österreichische Goldhoffnung im Abfahrtslauf, kam eine solche Regieanweisung zu spät. Er flog bereits flickflackartig durch die ganz und gar unnebligen Lüfte von Nagano, über deren Leere so schön zu philosophieren gewesen wäre. Ich war ganz auf den ausgefallenen Abfahrtslauf eingestellt, und nun so was. Der Hermann Maier steht unverletzt auf, kommentierte der Wörndlfrank die Bilder vom aufstehenden Hermann Maier. „Des is a Naturbursch“, belobigte er dessen Widerstandskräfte. Der Sieger, Jean- Luc Cretier, war schon durch. Andere kamen noch, die an der gleichen Stelle stürzten wie Hermann Maier. Die Regie spielte die Stürze parallel und in Zeitlupe ein, immer und immer wieder. Der Wörndlfrank nahm's zum Anlaß, sich an der verfeinerten Fangzauntechnik zu begeistern. Früher rasten die fliegenden Naturburschen plump mit voller Wucht ins Netz. Maier führt vor, wie es sein soll: Der erste Zaun gibt nach und befördert ihn sanft zum nächsten, um schließlich den dritten mit guten Haltungsnoten zu überfliegen. Einige Medaillenkandidaten stehen noch oben. Maiers Kaskade und Cretiers Zeit sind nicht mehr zu überbieten. Jean-Luc Cretier sagt, er werde erst morgen begreifen, was passiert ist. Das hätten auch Hermann Maiers Worte sein können.
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